DEVIL SOLD HIS SOUL: Gesegnet und verflucht

(Underground 11.10.2010) Wer das Underground in seinem ausverkauften Zustand mit knapp 400 Leuten kennt, der kann sich ungefähr ausmalen, wie verloren darin so um die 80 Leute aussehen. Das war nämlich in etwa die Anzahl derer, die ihren Weg an diesem Montagabend zum Tourauftakt des kurzen Deutschland-Intermezzos der südenglischen Band DEVIL SOLD HIS SOUL gefunden hatten. 

Zu kämpfen hatte damit auch die Vorband  ANGELS AND ENEMIES aus Köln, die zwar einen eigenen kleinen soliden Fankreis mitgenommen hatten, aber dennoch die Enttäuschung über die mangelnde Begeisterungsfähigkeit des Publikums nur schwer verbergen konnten. Unter anderem führte das dazu, dass der Mann mit dem Mikro zwischen den Songs ununterbrochen redete. Es darf die berechtigte Frage gestellt werden, ob eine konventionelle Death-Metal Band wie ANGELS AND ENEMIES als Aufwärmer für eine doch eher ungewöhnlich außergewöhnliche ambient/post-Hardcore Band wie DEVIL SOLD HIS SOUL geeignet ist. Aber hier war wohl die lokale Nähe das Instrument der Wahl. Die Kölner haben auf jeden Fall Potential. Neben vielen Songs, die einfach nur ununterscheidbares Geschredder waren, gab es auch einige gut komponierte, melodisch-rhythmische Highlights.

Als schließlich der Headliner das Bühnenregime an sich riss, kam Leben in die lethargische Menge. In diesem Moment schuf die kleine Besucheranzahl nicht Distanz, sondern Nähe. Die Band war zum Greifen nah und ließ sich von dem leeren Saal hinter der Menge nicht abschrecken. Fast anderthalb Stunden spielten DEVIL SOLD HIS SOUL mit unermüdlicher Energie und Hingabe. Die Songs vom ersten Album kamen dabei ebenso zum Zuge wie Stücke aus dem aktuellen Album „Blessed and Cursed“. Mit geschlossenen Augen standen die meisten da, bewegten sich im Takt, ließen sich wegpusten und forttragen auf den epischen und kraftvollen Klängen von Stimme und Instrumenten. Als die Show vorbei war standen viele lächelnd einen paralysierten Augenblick da.

Es ist unverständlich, dass eine Band wie DEVIL SOLD HIS SOUL immer noch so wenige Menschen hinterm Ofen hervorlockt, während andere Bands, denen man durchaus das Attribut der Austauschbarkeit vorwerfen kann, viel größere Hallen bis zum letzten Platz ausfüllen. Ich sage euch: ihr verpasst was!!

Info: http://www.devilsoldhissoul.com/

(Lyra Nanerendij)