VISIONS: Westend Indoor 2010

(30.10.- 31.10.2010, Dortmund, FZW) Nachdem im letzten Jahr VISIONS sein 20. Geburtstag feierte ist man wieder auf den Geschmack gekommen, auch in diesem Jahr ein dreitägiges Festival auf die Beine zu stellen. Unter dem Banner „Westend Indoor 2010“ traten im FZW diverse Bands unterschiedlichster Genres und boten den Freunden der Alternativen-Musik ein abwechslungsreiches Wochenende.

TAG2: PINKSNOTRED, YOUNG GUNS, DANKO JONES, GARCIA PLAYS KYUSS

Den ersten Tag, dank der Never Say Die-Tour vepasst und die erste Band des Abends gleich mit. Als wir ankamen, hatten PINKSNOTRED gerade die Bühne verlassen.  Schade eigentlich, aber es wird sicherlich in Zukunft noch genügend Gelegenheiten geben, die fünf Mainzer auf der Bühne zu bewundern.

Als zweite Band betraten YOUNG GUNS die Bühne. Die charismatischen Briten um Sänger Gustav Wood verstanden es, das ältere, gediegene „KYUSS“-Publikum ein wenig in den Bann zu ziehen. Seit dem Album „All Your Kings are Dead“ sind die vier auf dem Vormarsch durch ganz Europa und können ihr Glück und die Größe der Bühnen, auf denen sie spielen, offenbar selbst kaum fassen. So auch die Aussage von Gustav anlässlich der Aufzeichnung des Auftritts für den Rockpalast: „I can’t believe, that we’re gonna be on TV in Germany“.

DANKO JONES mussten sich dann keine sonderliche Mühe geben, um gefeiert zu werden. Die Rockstarroutine war ihnen deutlich anzumerken. Man kann über solche Auftritte geteilter Meinung sein. Ich persönlich mag den Charme derer, die noch vor jedem Bühnenauftritt aufgeregt sind. So wirkten DANKO JONES kein bisschen. Kein bisschen Bezug zum Publikum, so als würden sie für ein Musikvideo oder einfach nur für sich selbst spielen. Vielleicht etwas ungerecht, weil das Publikum die Band sehr zu mögen schien. Meins war es nicht!!

Last but not Least GARCIA PLAYS KYUSS. Das ältere Publikum war außer Rand und Band, so als würden die Tage ihrer Jugend wiederkehren.  Ich muss zugeben, dass ich auch hier den Bezug nicht fand, aber zum Glück ist Kritik ja immer sehr subjektiv und in diesem Falle muss ich einfach zugeben, dass ich mir nicht wirklich ein Urteil erlauben kann.

TAG3: ESCAPADO, THE CASTING OUT, SAMIAM, ALEXISONFIRE

Aller Neuanfang ist schwer. Als ESCAPADO nach dem Ausstieg des Sängers beschlossen, weiter zu machen, hielten das die meisten für eine gute Entscheidung. Ich teile diese Einstellung auch weiterhin. Dennoch: die alten Songs kommen mit dem neuen Sänger einfach nicht an das Gefühl und die Energie heran, die sie einmal ausstrahlten. Felix Schönfuss macht seine Sache definitiv gut. Aber eben nur so gut, wie getragene Schuhe einem passen können. Sie werden vermutlich nie ganz bequem werden, weil die alten Füße sich eingeprägt haben. Die Zeit wird zeigen, wie tief sich der Stil des neuen Sängers in den Stil der Band graben wird. Manchmal müssen Songs bei einem Sängerwechsel einfach aufgegeben werden.

THE CASTING OUT brachten vor allem gute Laune auf die Bühne. So wie man Sänger Nathan Gray bereits aus alten BOYSETSFIRE-Zeiten kennt, wälzte er sich auf dem Boden, sprang vergnügt umher und war mit sich und der Welt in völligem Einklang. Von der erst kürzlich verkündeten Trennung war nichts zu spüren. Verrückt nur, dass es eine der letzten Gelegenheiten war, das neue Album überhaupt live zu hören zu bekommen. Man darf gespannt sein, ob es bei BOYSETSFIRE zu einer echten Re-Union kommen wird, oder ob es bei einer kurzen Tour im kommenden Winter bleibt.

SAMIAM rockten die Bühne in gewohnter Manier. Da blieb kein Auge trocken und die Stimmung war überschwänglich. Ein gutes Beispiel für eine Band, die auch noch nach vielen vielen Jahren und aufkommenden Glatzen den Sinn und die Lust am Punkrock nicht verliert.

Als ALEXISONFIRE geschminkt und in Frauenkleidern die Bühne betraten, ging ein Raunen ging durch die Menge. George Pettit ließ sich ein aufreizendes Rock-lüpfen nicht nehmen als er ins Mikro raunte „Happy Halloween“ und die Show konnte beginnen. Gute 90 Minuten lang fegte die Band über die Bühne, spielte Altes, Neues, Gebrauchtes und proklamierte immer wieder den „Halloween Spirit“. Ein Riesenspaß, ein Fest, wie man es leider nicht sehr oft erlebt. Am Ende zogen sich alle bis auf die Unterhose aus – ganz zum Entzücken der tobenden Menge.

Wer das Ganze verpasst hat, der kann sich die Aufzeichnung anschauen. Sendetermine Rockpalast:

Montag, den 29.11.2010 0.15-3.15Uhr
Samstag, den 06.12.2010 1.30-3.15Uhr

Info: http://www.westend-festival.de/

(Lyra Nanerendij)