A DAY TO REMEMBER, BAYSIDE, PIERCE THE VEIL live @ Köln

(18.02.2011, Köln, Essigfabrik) Ich mache kein Hehl draus, dass ich den Hype um A Day To Remember nicht ganz nachvollziehen kann. Die Platten sind zwar nicht schlecht, gerade „For Those Who Have Heart“ und „Homesick“ haben ihre Höhepunkte, dennoch verwundert ist man schon, dass das Konzert seit Wochen ausverkauft ist. Und würden heute Abend nicht Bayside spielen, ich wäre nicht hingegangen.

Das die Schweden von Adept gerade ihr Set beenden, ist nicht sonderlich schlimm. Ihre neue Platte „Death Dealers“ reißt auch keinen vom Hocker. Zu sehr halten sich Adept an ihrem eigenen wiederkehrenden Schema fest. Pierce The Veil hingegen wissen zu überzeugen. Die Band aus San Diego spielt ein frisches und kraftvolles Set. In der ersten Reihe stehen die treuen Fans sogar mit „I Love Mexiciore“ Pappschildern. Sänger Vic Fuentes liest es mit freunde und schenkt dem Mädchen ein Lächeln. „Mexicore“, so nennen Pierce The Veil ihren Sound, in Anlehnung ihrer mexikanischen Herkunft. Ihre Songs „Besitos“, „Chemical Kids and Mechanical“ und auch „The Boy Who Could Fly“ werden auf jeden Fall gut abgefeiert. Leider ist der Sound in der Essigfabrik unterirdisch schlecht. Eigentlich eine Schande, dass man dieses Problem bei der Vielzahl an Veranstaltungen die dort stattfinden nicht in den Griff bekommt. Der Laden hat mit Abstand den schlechtesten Sound in Köln.

Zwischen Pappschild und Zahnspange kommen Bayside einem richtig alt vor. Dabei gehört die Band aus Long Island, gerade hierzulande, nicht zu den Bands die im Jahr zwei, dreimal auf Tour kommen und sich in die Belanglosigkeit spielen. Hoffentlich folgt mit dem erscheinen des neuen Albums „Killing Time“ eine Headlinertour. Heute Abend setzt sich der Gedanke fest, dass Bayside für diese Veranstaltung wie Perlen vor die Säue ist. Ungetrübt von allem stehen Bayside auf der Bühne und legen famos los. Mit einer Mischung aus altem Material wie „Montauk“ und „Devotion & Desire“ und Songs des neuen Albums „Killing Time“, der Opener „Already Gone“ und „Sick Sick Sick“ punktet die Band aus Long Island. Überraschend, dass sie den NoFx Klassiker „Linoleum“ covern. Trotz miesen Sound, ein gute Auftritt. Eh man sich versieht, ist die Zeit auch schon um. Schade.

Die Umbaupause entwickelt sich etwas grotesk. Applaus und Geschrei schon als der Backdrop, welches den Bandname ziert, hochgezogen wurde. Pappschilder dürfen wieder hoch gehalten werden und zum aller Überfluss erklingt „Chop Suey!“ von System Of A Down. Und, siehe da. Man traut seinen Augen und Ohren nicht. Das Publikum singt tatkräftig mit und feiert sich nach dem Song erst selbst. Böse Zungen behaupten später, dass „Chop Suey!“ mehr Applaus bekam als Adept. Naja…

Also Intro erklingt Michael Buffer mit „Let’s Get Ready To Rumble“ und A Day To Remember stürmen mit „2nd Sucks“ die Bühne und ziehen fortan ein durchdachtes und gut inszeniertes Konzert durch. Hier ist nichts dem Zufall überlassen, selbst die einstudierte Choreografie darf nicht fehlen. So hopsen die Jungs zu „A Shot in the Dark“, „All I Want“ bis hin zu „Homesick“ synchron über die Bühne. Den Kids gefällt es. Aber warum macht man das, fragt man sich? Das ist doch Boygroupe-Style? Steht hinter A Day To Remember etwa Lou Pearlman oder hat Victory Records Chef Tony Brummel dies als neue Performance Strategie ausgerufen? Fremdschämen ist angesagt, so was will man auf Post-Hardcore Konzerten doch nicht sehen. Warum können sie nicht einfach nur spielen? Gerade das Millencolin Cover von „No Cigar“ und das drauffolgende „Monument“ hätten so schön sein können. Es fehlt diesem Auftritt an Authentizität und gibt dem Ganzen einen bitteren Beigeschmack. Mit den drei Zugaben „If It Means A Lot To You“, „The Downfall Of Us All“ und „The Plot To Bomb The Panhandle“ beenden A Day To Remember schließlich nach 75Minuten ihre Show. Im wahrsten Sinne des Wortes: A Day To Remember!

Info: http://www.adtrofficial.com/ / www.myspace.com/bayside / www.piercetheveil.net

(Markus Tils)