DARKEST HOUR: Alles Gute zum 15ten!

(03.02.2011, Hamburg, Knust) Darkest Hour aus Washington, D.C. haben Geburtstag: 15 Jahre Bandgeschichte die sie feiern wollen. Dazu eingeladen haben sie Protest the Hero aus Kanada, ihre Landsmänner von Born of Osiris und die Norweger Purified in Blood. Und das Publikum darf mitfeiern. Gratulation! Wenn das keine gute Party wird…

19.30 Uhr. Eine halbe Stunde nach Einlass. Das Knust in Hamburg ist noch eher leer als voll. Juhu, man wird also nicht ganz so häufig angerempelt und muss auch nicht ewig an der Theke auf sein Bier warten. Ein paar Zuschauer mehr wären mir trotzdem lieb, ist es doch schade drum wenn die vier Bands, die sich auf den weiten Weg nach Deutschland gemacht haben, nur vor 50 Leuten spielen… Aber mindestens 100 Besucher müssen es noch werden, schließlich wurden genug Tickets im Vorverkauf erworben. Klappt dann auch, will ja nicht jeder die Vorband sehen. Selbst Schuld. Denn die Norweger von Purified in Blood kommen mit ordentlich Karacho daher. Karacho, nicht Krach. Auch wenn es sich bei Purified in Blood um Trash Metal handelt. Ein bisschen sehen die Jungs auch so aus und nackte Oberkörper auf der Bühne sowie im Publikum sind leider nicht immer schön. Aber es kommt ja auf die Musik an und die bringen die Norweger überzeugend rüber. Sänger Hallgeir scheint auf der Bühne jedoch zu wenig Platz zu haben und tummelt sich unters Publikum. Dabei verliert er keine Sekunde seine ernste Miene. Die drei headbangenden Jungs in der ersten Reihe freut das sichtlich, zu schade nur dass sie alle einen Kurzhaarschnitt haben und es folglich keine durch die Luft fliegende Mähne gibt. Die Zugabe ist der norwegische Song „Under Den Svarte Himmel“ vom letzten Album „Under The Black Skies“. Aus sprachlichen Gründen gewöhnungsbedürftig, aber er haut ordentlich rein!
 
Die zweite Band des Abends ist fast durchweg jünger als das Publikum mit Ausnahme des ehemaligen All Shall Perish Gitarristen Jason Richardson, der seit 2009 mit an Bord der Metal-Truppe ist. Das geringe Alter tut dem Auftritt der Amerikaner aber nichts ab. Born of Osiris sind dynamisch und überzeugend. Eröffnet wird ihr Set mit der Nummer „Open Arms To Damnation“ vom 2007er Album „The New Reign“. Da schwappt sofort die Energie über, die sich während des kompletten Auftritts weiter verbreitet. Kraftvolles Schlagzeuggebresche mit teilweise melodiösen aber auch schrägen Keyboardparts und hey – der Keyboarder kann auch singen obgleich die Nummern das nicht allzu häufig fordern. Zwei neue Songs vom Album „The Discovery“, das im März erscheint, werden ebenfalls zum Besten gegeben. Bei „Recreate“ sowie „Devestate“ kommt Joe samt Keyboard erfreulicherweise besser zur Geltung. Aus den drei headbangenden Jungs im Publikum bei Purified In Blood sind mittlerweile mindestens 15 moshende Personen geworden. Born of Osiris freuen und bedanken sich artig, als sie von der Bühne gehen. Gut erzogene Jungs mit Liebe zur Musik und zum Feiern.

Protest the Hero veröffentlichen ihr neues Album „Scurrilous“ ebenfalls im März und nutzen ihren Auftritt, um ein paar neue Songs daraus vorzustellen. Mit Erfolg! Nach dem Opener „Wretch“ und „Bone Marrow“ (beide vom 2008er Album „Fortress“) kommt der neue Song „C’est la Vie“ und regt die Männlein zum Headbangen und die Fräulein zum Tanzen an. Keinerlei Verluste in Punkto Psychedelic bei den neuen Sachen. Die Stimme von Sänger Rody ist einfach grandios und bereitet Gänsehaut, ist dabei gleichzeitig sehr kraftvoll. Wer sich bisher keinen Gig von den Jungs angesehen hat merkt ganz schnell – live sind hier keine Abstriche zu verzeichnen. Leicht widersprüchlich ist jedoch die Optik: Bei dieser Musik und Stimme erwartet man langhaarige Metaller oder dergleichen aber nein, Protest the Hero kommen mit Kurzhaarschnitt und Basecap daher. Macht nix. Gefällt uns trotzdem. Vor allem das brachiale Schlagzeug und die Gitarrenriffs, die vor allem bei „Blindfolds Aside“ vom ersten Studioalbum „Kezia“ interessant in den Vordergrund stechen. Absolutes Highlight der Show ist der letzte Song „Bloodmeat“, bei dem das Publikum herzlich willkommen auf der Bühne ist und diese auch begeistert stürmt. Luftgitarre ist angesagt und Sänger Rody teilt sein Mikrofon mit den textsicheren Fans, bevor er sich selbst ins Gemenge VOR der Bühne stürzt. Das verdient tosenden Applaus!

Schließlich kündigt das Intro von Darkest Hour den Auftritt der Geburtstagskinder an und dieses klingt schon vielversprechend, deutet es bereits auf die etwas später anstehende Gänsehaut-Atmosphäre hin. „Doomsayer“ macht den Anfang und haut sofort voll rein. Ein lautes Schlagzeug, das erst einmal fast alles andere übertönt, sorgt schon mal für den richtigen Rhythmus, um mit dem Kopf wild auf und ab zu nicken. Die ersten Hände mit Teufelshörnchen werden gen Bühne gestreckt, wäre sonst ja auch kein richtiges Metal Konzert. Ebenso gibt es ein Moshpit passend zu „The Last Dance Massacre“ und das Publikum hört kaum auf sich zu bewegen. Still stehen klappt aber auch einfach nicht denn der Funke von Band zu Publikum ist sehr schnell übergesprungen. Darkest Hour wissen jedoch, wie man die Stimmung drücken kann. Im positiven Sinne. Mit „Veritas, Aequitas“ vom Album „Hidden Hands of a Sadist Nation“ wird es melancholisch und der instrumentelle Teil findet seinen Höhepunkt wenn Mike Schleibaum auf der Akustikgitarre zerreißende Melodien spielt und das Publikum im Takt (!) klatscht. Das erneute Einsetzten des Schlagzeugs wirkt fast befreiend und liefert den perfekten Übergang von der drückenden aber auch schönen Stimmung zum nächsten, energiereichen „With A Thousand Words To Say But One“, bei dem sich Sänger John Blakemore Henry den Schmerz von der Seele singt könnte man meinen. Melodischer Death Metal vom Feinsten! Dass Die Jungs seit 15 Jahren zusammen Musik machen lässt sie keineswegs langweilig wirken sondern definitiv nur besser werden. Dementsprechend sei ihnen auch verziehen, dass sie trotz sieben Studioalben nur elf Songs zum Besten gegeben haben. Aber wo blieb eigentlich der Vorgeschmack auf das neue Album? Das scheint wohl noch geheim zu sein. Hoffen wir nur, dass es dazu noch eine Tour geben wird.

Also Jungs, danke für die Einladung zur Geburtstagsparty! Hat Spaß gemacht, die Musik war spitze. Nur schade, dass es keinen Kuchen gab. Aber zum Glück ist das Bier nicht ausgegangen.

Info: http://www.darkesthour.info/ / www.protestthehero.com / www.myspace.com/bornofosiris / www.myspace.com/purifiedinblood

(Karin Gärtner)