THURSDAY, RED TAPE PARADE, CITY LIGHT THIEF live @Köln

(27.04.2011, Köln, Gebäude 9) Nachdem an Ostern sowohl das MONSTER BASH in Berlin, als auch das Groezrock in Belgien gerockt wurde, läutete Thursday mit dem Melkweg in Amsterdam  den gemütlichen Clubteil ihrer Tour ein, der einen Tag später im Gebäude 9 in Köln fortgesetzt wird. Mit von der Partie: CITY LIGHT THIEF aus den beschaulichen Grevenbroich und RED TAPE PARADE aus Bayern.

Früher als angekündigt – um Viertel vor Neun heißt es Bühne frei für CITY LIGHT THIEF. Eine Band, die in den letzten Monaten an Bekanntheit deutlich zugenommen hat. Nicht zuletzt durch die Auszeichnung ihres Musikvideos zum Song Punkt. Aus? Ende! mit dem c/o pop-Sonderpreis im Rahmen der Webvideotage. Die Konzerthalle ist mäßig gefüllt. Jeder hat Platz zum Stehen und Wippen. Oben auf der Bühne ein spielerisches theaterhaftes Wechselspiel der Instrumente und Emotionen. Deutlich zu erkennen, dass die größeren Clubbühnen noch nicht lange bespielt werden. Denn CITY LIGHT THIEF ist eine Band für ganz nah. So nah, dass man das rhythmische Trampeln der Füße auf der Bühne hören und spüren kann. Eine Übertragung in die reine Visualität auf noch größeren Bühnen ist schwer vorstellbar. Es würde in jedem Fall etwas verloren gehen, denn das Klatschen des Sängers und auch sein Schellenkranz und die kleine Extra-Tomb kommen ohne Mikro aus. Die Band umgibt eine Authentizität und Unschuld, die an Echtheit in der Szene ihresgleichen sucht.

Heiter und bester Stimmung wirbeln kurz darauf RED TAPE PARADE über die Bühne, die durch die traurigen Umstände einer Stimmbandverletzung des FUNERAL FOR A FRIEND-Sängers, die von der Band derzeit supported werden, den Abend bereichern dürfen. Der musikalische Stil verwundert in diesem Zusammenhang ein wenig, denn die Band würde man eher im Zusammenhang mit IGNITE, nicht aber gemeinsam auf einer Tour mit FFAF erwarten. Erfrischend rotzig sind die Töne und ein bisschen so wie melodischer Punk sein sollte, aber leider immer seltener ist.

Und dann ist es so weit: THURSDAY betreten die Bühne. Etwas angeschlagen von den vergangenen Nächten, aber bester Laune und noch besserer Form. Und dann passiert das unerwartet Wundervolle: Nach vier Songs von der neuen Scheibe Devolución kommt man anlässlich des 10-Jährigen Jubiläums in den Live-Genuss von allen 12 Stücken des legendären Albums Full Collapse. Die Menge schreit und ruft und ist außer sich vor Freude. Chöre und verzückte Mienen bei jedem Stück. Da irritiert es auch niemanden, dass Gitarrist Steve Pedulla kurz kotzen gehen muss, weil ihm schon seit Tagen nicht gut ist. Das ist Kämpfergeist und das ist Rock’n’Roll – irgendwie. Irritierend ist dann aber durchaus, dass die Zugabe nach 17 Songs ausfällt und als Antwort auf die „We want more“-Rufe nur noch einmal kurz Gitarrist Tim Payne erscheint, um leise und beinahe peinlich berührt mitzuteilen, dass es keine weiteren Stücke gebe.

Rückblickend geht damit ein sehr schöner Abend zuende, der den geneigten Besucher 10 Jahre  zurück versetzt. Zurück in eine Zeit als THURSDAY noch emoesken Post Hardcore spielten und nicht die verzwickte, sphärische Flickelei von heute. Es wird langweilig zu sagen, dass früher alles besser war und sich des bereits von den FANTASTISCHEN VIER karikierten Allgemeinplatzes „die alten Sachen fand ich gut, die neuen nicht“ zu bedienen. Schließlich hat jede Band das Recht, sich weiter zu entwickeln und ihren Musikstil zu verändern. Schade ist es trotzdem manchmal.

Info: http://www.thursday.net/ / www.facebook.com/citylightthief / www.redtapeparade.de

(Lyra Nanerendij)