H2O: What happened to the passion?

(03.05.2011, Düsseldorf, Ratinger Hof) Twitter ist manchmal verhängnisvoll – und zwar nicht nur für große Firmen und Unternehmen oder für saloppe Fremdgänger, sondern auch für Hardcore Bands, die sich gerne mal mit dem Label PMA schmücken und die ganze Hardcore-Szene als Teil der Familie bezeichnen. Letztgenannte (seine eigene) vermisste H2O-Sänger Toby Morse nämlich so sehr, dass er seit Tagen auf Twitter sein Heimweh verkündete  und sich weinerlich über sein offenbar fortschreitendes Alter beklagte. Was auf der einen Seite rührend und sehr menschlich sein mag, gehört vielleicht nicht in einen Twitter-Account mit dato 13.635 Followern, unter denen sich  – oh Wunder – auch zahlreiche Fans der Band befinden. Die Twitter-Thematik macht nämlich schon vor der Venue an dem Abend die Runde.

Von der Tatsache, dass Toby Morse gern woanders gewesen wäre, lässt sich aber niemand die Stimmung verhageln. Zunächst sind ja ohnehin die Vorbands an der Reihe: GET IT DONE und LOOK MY WAY. Erstgenannte als neue Formation des ehemaligen BLACK FRIDAY 29-Sängers feierte die Releaseshow ihres Demos mit gewohnt idealistischen Worten zwischen den Songs und Werbung für die Hardcore Help Foundation. Diese ist auf Facebook zu finden und bittet derzeit um Merch- und Geldspenden, um damit wohltätige Projekte zu finanzieren. Unterstützenswert! Der Sound der Band ist rotziger und näher an den Hardcore-Wurzeln als einst BF29 (wenn Vergleiche hier überhaupt erlaubt sind). GET IT DONE haben ihren eigenen authentischen Sound, der sehr angenehm erfrischend für das musikgewohnte Ohr ist.

Ganz anders LOOK MY WAY. Schon bei den ersten Tönen wird klar, dass es sich hier um eine der vielen Jogginghosen-„auf die Fresse“-Hardcore Bands handelt. Für eine kurze Zeit des Abends fliegen ein paar Windmühlen und Tritte durch den Raum. Aber niemand wird ernsthaft verletzt.

H2O lassen sich dann ein bisschen Zeit mit dem Umbau und kämpfen sich ihren Weg durch den grottenartig angelegten Club. Schon beim ersten Trommelschlag knistert die Stimmung – nicht auf, sondern vor der Bühne. Die Energie schwappt und schwappt und steht nicht still. Stagediver, Crowdsurfer und die mit Inbrunst mitbrüllende Meute machen den Abend zu einer wundervoll euphorischen Show. Das lässt selbst Toby Morse nicht kalt, der später twittert: „Duesseldorf tonight was my favorate headline show in Germany, Thank You for the Sold Out Show! PMA „. Eine Zugabe gibt es trotzdem nicht. Das halb ernst gemeinte Angebot von Todd Morse, jeden für die Show am nächsten Tag in Trier auf die Gästeliste zu nehmen, mag so mancher genutzt haben. Die meisten schauen daraufhin aber eher miesepetrig drein. Unpassend oder passend – wie man es nimmt – ist dann auch die Wahl des finalen Songs. Der lautete nämlich „What happend?“. Diese Frage hätte nämlich an diesem Abend berechtiger Weise das Publikum der Band stellen können.

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http://www.onelifeonechance.com/

(Lyra Nanerendij)