Droneburg II Festival – Hamburg

(20.04.2012, Hamburg, Hafenklang) Am 20. April fand im Hamburger Hafenklang das zweite Droneburg-Festival statt. Die Macher des Festivals haben sich Drone, Doom, Neuer Musik und Soundscapes verschrieben und entsprechend besteht das Line-Up in diesem Jahr aus thisquietarmy, Toner Low, Aun, Deafheaven, Conan und Russian Circles.

Als thisquietarmy das Festival um 20 Uhr oben im Goldenen Saal eröffnen darf, ist es draußen noch hell, aber das Festival ist gut besucht und es drängen sich doch so einige Leute vor der Bühne. Der Kanadier Eric Quach performt nur mit einer Gitarre bewaffnet, unter Zuhilfenahme einer wahrlich beachtlichen Landschaft aus Effektgeräten zu einer Slideshow aus atmosphärischen Bildern. Die Visuals stellt Quach übrigens für jede Show selbst zusammen. Der musikalische Mix, den er präsentiert, ist düster – hin und wieder Post-Rock- oder Shoegaze-Elemente, dann wieder in Richtung (Black) Metal unterwegs. Die Show zieht die Zuschauer in ihren Bann und ist sicher eine gute Einstimmung auf den Rest des Festivals.

Toner Low spielen danach auf der Bühne im Saal. Die Band macht Doom Metal, kommt aber eigentlich aus der Stoner-Ecke. Begleitet werden die Holländer von einer Lightshow, die recht psychedelisch anmutet: bunte Farben, wabernder Formen. Was sonst noch sofort auf- und gefällt: der wuchtige Bass! Im wahrsten Sinne des Wortes ist dieser beeindruckend – Musik für die Magengrube. Bassistin Miranda (und ihr Verstärker) leistet hier jedenfalls ganze Arbeit. Gut durchvibriert geht es dann erstmal raus an die frische Luft und etwas Hafen-Panorama bewundern. In der Zwischenzeit spielen schon Aun – leider komplett ohne mein Beisein.

Die nächste Band, die dann auf der Bühne steht, wird auf jeden Fall angeguckt: Deafheaven. Die Musik der Band aus San Francisco lässt sich grob als Black Metal mit Post-Rock-Einflüssen umschreiben. Auf Platte bleibt der Gesang, der an Screamo-Bands erinnert, im Mix meist eher im Hintergrund – live jedoch kommt dieser voll zur Geltung. Das Ganze macht mir persönlich jedenfalls mehr Spaß als sich Deafheaven aus der Konserve anzuhören, was nicht zuletzt an der Bühnenpräsenz des Sängers liegen könnte. Irgendwie befinde ich mich zumindest plötzlich in der ersten Reihe. Dann ist die Show aber auch schon vorbei. Schade. War ein ziemliches Brett.

Weiter geht es, dies mal wieder im Goldenen Salon, mit Conan. Hier wird Doom bzw. Sludge aufgetischt. Die langsamen, harten Riffs haben es durchaus in sich: Die Band schlägt einem sozusagen musikalisch den Horseback Battle Hammer mitten ins Gesicht. Der Gesang erinnert an Schlachtrufe – mit ihrem martialischen Image kokettiert die Band ja auch gerne. Ein kompromissloser Auftritt, der mir ziemlich das Gehirn ausgeschaltet hat. Das Publikum würde gerne Zugaben hören, ist aber leider nicht drin.

Als nächste und letzte Band des Abends stehen Russian Circles in den Startlöchern, die wohl bekannteste Band  des Line-Ups. Im Vergleich zum vorher Gehörten, wirkt die Band recht harmlos. Die Musik ist sehr post-rockig, auch wenn Metal-Einflüsse in einigen Parts unverkennbar sind.  Man hat irgendwie nicht das Gefühl, den Höhepunkt des Abends zu sehen, da zuvor einfach musikalisch krassere Bands auf der Bühne standen. Trotzdem ist es natürlich gerechtfertigt, dass sie als letzte spielen, da sie ja quasi der Headliner sind. Es werden Hits wie „Harper Lewis“ und „Death Rides a Horse“ zum Besten gegeben. Auch die Herren von Deafheaven schauen am Rand begeistert zu. Am Ende gibt es sogar noch eine Zugabe.

Mein Festival-Fazit: Deafheaven waren für mich am beeindruckendsten. Die Band hat mich positiv überrascht und ist live sehr sehenswert. Conan waren zerstörerisch – ob ich mir noch mal ein Konzert von ihnen angucken würde, kann ich aber nicht sagen. Russian Circles – letztlich mein Hauptgrund für den Festival-Besuch – sind natürlich immer noch super, konnten mich live aber nicht mehr so umhauen nach dem, was einem vorher so geboten wurde. Wenn es ein Droneburg III gibt, bin ich gern wieder dabei!

Info: http://www.droneburg-festival.com/

(Miriam Elias)