MONSTER BASH 2012

(27.04.2012, Columbiahalle, Berlin) Eine träge Schlange kriecht bei Sonnenschein und 25 Grad an einem tollen Frühlingstag in Richtung Eingang der Berliner Columbiahalle. Bunt, schräg, aber leise stehen die Besucher an, blinzeln in die Sonne und können ihr Glück kaum fassen: ein Festival im April bei Sommerwetter – wer hätte das bei den Temperaturen der letzten Wochen gedacht? Es ist 15Uhr. Zehn Stunden und siebzehn Show-Gelegenheiten liegen vor mir. Bändchen abgeholt und ab durch die gähnend leere Columbiahalle in den schönen Innenhof zwischen den zwei Bühnen. Mal ausspähen, was das Essensangebot so hergibt. So Einiges! Der allseits bekannte und beliebte Berliner Vego bietet auf einem kleinen Stand gleich links hinter dem Eingang seine leckeren vegetarischen und veganen Bürger an. Wem das zu wenig rustikal und DIY ist, dem ist mit dem Zittau-Burger geholfen – Schrippe, Bratling, Salatblatt, Tomate und Ketchup für einen Kampfpreis von 2€. Das Café goodies  hat auch seine Zelte aufgeschlagen, bietet leckere Salate an (z.B. den vortrefflichen Kichererbsen Salat), allerdings für saftige 5€ das kleine Plastikschälchen. Dann noch ganz viel leckerer veganer Kuchen und andere omnivore Leckereien, die jetzt mal unerwähnt bleiben sollen.
Vor der ersten Stärkung der erste Gig des Tages: SET YOUR GOALS. Schon oft auf Clubshows gesehen, wo die funkensprühende Energie der Jungs aus San Francisco sicherlich stärker übergesprungen ist. Man muss den Jungs aber lassen, dass sie sich von der großen Bühne und der Fünftel vollen Halle nicht einschüchtern lassen und einen richtig guten Opener geben. Danach geht’s für mich erst einmal in die Stärkungs- und Schonungsphase, die ich wechselweise im Innenhof und im Biergarten verbringe. Um mich herum eine eher mittelalte (also gleichalte) Masse von einem Allerlei an Menschen, von denen viele nach ihren ausgeblichenen Shirts zu urteilen die Headliner schon vor 10-15 Jahren gehört und gut gefunden haben. Als nächstes dann ANTI-FLAG, die in ihren fast 25 Jahren Bandgeschichte kein bisschen leise geworden sind und richtig viel Spaß machen. Die Base-Drum ist Schauplatz hoher Sprünge und gibt gemeinsam mit Pat Thetic Gastauftritte in den ersten Reihen des Innenraums. Dem Accoustic Set von CHUCK RAGAN, DAVE HAUSE und TOMMY GABEL kann ich dann ich aufgrund krasser Überfüllung der kleinen Halle leider nicht beiwohnen. Wohl aber sehe ich einen verschwitzen Chuck seine Gitarre über den Innenhof in die große Halle tragen, der aussieht, als würde er gleich umkippen. Keine 30 Minuten später (vielleicht kurz geduscht) steht der aber schon wieder mit HOT WATER MUSIC auf der Bühne und erfüllt die Halle mit einem kribbelnden Beben, das den Abend im weiteren Verlauf begleitet. Schnell rüber gehuscht zur kleinen Bühne, den Rest von THE WONDER YEARS sehen –  süßer Pop-Punk aus Pennsylvania und dann den Atem anhalten für HAZEN STREET – der Geheimtipp und die meiner Meinung nach beste Mischung aus MADBALL und H2O. Im Gegensatz zur großen Halle ist hier massig Platz zum Tanzen und Springen. Das macht die Menge dann auch. Hinter vorgehaltener Hand kündigt Tobey Morse ein zweites Album an – ich bin gespannt! Ein bisschen zu spät und mit schmerzenden Rücken und Füßen komme ich dann bei REFUSED an. Die Halle ist eine einzige Welle aus Armen, Gesängen, gleißendem Licht und ekstatischer Begeisterung. Alle bösen Stimmen über REFUSED und über die seltsame Reunion nach vierzehn Jahren scheinen vergessen. Danach löst sich alles auf. Ich treffe mich mit meiner Begleitung in der kleinen Halle, wo KILL HER FIRST den Rausschmeißer gibt. Es ist halb zwei in der Frühe, mein Kopf und mein ganzer Körper tun weh. Das war ein gutes Festival!

Info: http://www.monster-bash.de/

(Lyra Nanerendij)