OFWGKTA : Rotkäppchen und die böse Wolf Gang

(22.08.2012, Köln, Live Music Hall) „Camp Flog Gnaw“, steht auf dem Banner mit dem Katzenkopf das hinter dem DJ-Pult auf der Bühne hängt. OFWGKTA steht auf den Plakaten vor der Live Music Hall und erinnert irgendwie an HDGDL. So weit, so unverständlich.

Es braucht keiner Hieroglyphen-Experten um die geheimen Inschriften und Tags zu entziffern: Odd Future Wolf Gang Kill Them All spielen mit Klischees – und mit sperrigen Bandnamen, Hip-Hop-Attitüden und Pop-Phänomenen. Nicht umsonst erinnert die Hookline von „Sandwiches“, die zu Beginn vom Band eingespielt wird, verdächtig an einen gewissen Clan namens Wu-Tang.

Trotz des Hypes um Odd Future ist die LMH nicht ausverkauft und trotzdem platzt diese vor Spannung aus allen Nähten. Das Publikum ist entweder gerade der Adoleszenz entschwunden oder normalerweise nicht auf einem Hip-Hop-Konzert anwesend. Hier wird auch ein Clou des Kollektives aus LA deutlich: Mit ihrer DIY-Attitüde und ihrer Anti-Haltung sprechen sie nicht nur ein breites Hip-Hop-Publikum an, sondern bekommen Zuspruch über diverse Genregrenzen hinaus.

Eine OF-Show gleicht einer Mischung zwischen Cro-Mags und Die-Atzen-Show (Link: http://www.youtube.com/watch?v=9Q1w44q6Om8). Der DJ startet und nach und nach entert die Wolf Gang die Bühne. Left Brain verlässt diese nach seinem Einsatz direkt wieder per Stagedive Richtung Publikum. Einheizen ist das richtige Stichwort. Mit zunehmender Bounce-Intensität wird es wärmer und wärmer in der Halle bis das Luftschnappen vor den Türen zur Abkühlung wird.

Bis auf Earl Sweatshirt, der seinem Namen alle Ehre macht, sind die OF-Mitglieder Oberkörper frei unterwegs. Dabei sticht Tyler nicht nur mit seiner sonoren Stimme aus der Bande hervor, sondern auch durch einen gestählten Körperbau. Sein „Yonkers“ wird mit „Sandwiches“ zum Highlight des Abends.

Auf Frank Ocean warten die Zuschauer hingegen vergebens. Der gute Mann, der gerade für Coldplay die Konzerte der Europatournee eröffnet, geht gerade mit seinem Album Channel Orange durch die Decke und widerlegte nebenbei alle Homophobie Vorwürfe gegenüber der Wolf Gang.

Fazit: OF killen zwar nicht alle, aber müssen sich auch live nicht verstecken. Allerdings wäre in einer vollen Club-Location der Underground-Vibe sicherlich um einiges besser herüber gekommen als in der LMH mit ihrer überschaubar gefüllten Thekenecke.

Info: http://www.oddfuture.com/

(Mathes Schumacher)