BIOHAZARD: „Keep your friends close, but your enemies closer“

Biohazard
(01.11.2013, Köln, Essigfabrik) Der erste Kontakt mit Biohazard war Mitte der Neunziger. Damals erschien mit „State of the World Address“ gerade das dritte Album der Band aus New York. Damals galten Biohazard als das Nullplusultra, füllten die Hallen, waren 1994 Headliner auf dem Bizarre Festival und spielten vor hunderttausend Menschen auf dem Dynamo. Der Olymp war erobert. Danach folgten noch etliche – mehr oder weniger erfolgreiche – Alben, bis man sich 2005 entschied getrennte Wege zu gehen.  Die Trennung dauerte jedoch gerade Mal drei Jahre, bis man in der Urbesetzung eine Reunion startete. Die Reunion Tour war so erfolgreich, dass 2012 mit „Reborn in Defiance“ ein neues Album veröffentlicht wurde, aber Bassist und Frontmann Evan Seinfeld gleich nach den Aufnahmen Biohazard den Rücken kehrte. Für die übriggebliebenen Danny Schuler, Bobby Hambel und Billy Graziadei aber kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Mit Scott Roberts fand das Trio einen neuen Bassisten und sind seitdem ununterbrochen auf der Welt unterwegs.
Auf der Bühne standen schon The Setup. Ein Blick auf die Eintrittskarte mit der aufgedruckten Running-Order verwunderte dann schon. Hat man etwa schon Arhythmia und Six Reason To Kill verpasst? Dabei zeigte die Uhr gerade mal 20:30Uhr. Auf jeden Fall waren The Setup nicht schlecht, auch wenn man das Gefühl hatte, dass ihre Motivation nicht allzu groß war, was angesichts der leeren Halle verständlich war. Während der drauffolgenden Umbaupause zeigte sich, dass Arhythmia jetzt an der Reihe dran waren. Sollten die nicht den Opener machen? Egal, weil sich die Italiener als wahres Brett entpuppten und einen fetten Sound an den Tag legten. Kein Wunder, ist deren Produzent kein geringer als Biohazards Billy Graziadei.  Auch die Halle wurde deutlich voller und es kam endlich richtige Konzertstimmung auf. Punktsieg für Arhythmia.
Nach einer kurzen Umbaupause standen die Herrschaften aus Brooklyn endlich auf die Bühne. Frontmann Billy Graziadei begrüßte gleich das Publikum und positionierte sich gleich nah am Bühnenrand, damit die Meute auch den nötigen Adrenalinkick verpasst bekam. Die ersten Höhepunkte erklangen auch gleich zu Beginn mit dem Opener „Shades Of Grey“ und „Urban Discipline“, welche lauthals mitgegrölt wurden. Es gab nichts auszusetzen, weil Biohazard den Fokus von Beginn an auf ihre ersten Alben legten. „What Makes Us Tick“, „Wrong Side of the Tracks”  und “Down for Life” versetzten den Großteil des Publikum in ihre Teeangerzeit zurück. Entsprechend euphorisch waren die Reaktionen vor der Bühne.  Dann folgte mit „Vengeance Is Mine“ der einzige Track an diesem Abend vom aktuellen Album „Reborn in Defiance“.  Schnell wechselten Biohazard in die Neunziger zurück und spielten mit „Tales from the Hard Side”, „Five Blocks to the Subway”, “Victory“ und „Black and White and Red All Over” weitere Songs aus den Anfangsjahren, wo Gitarrist Bobby Hambel  noch an den Alben mitwirkte, bevor er erstmals 1995 die Band verließ. Das Bad Religion Cover von „We’re Only Gonna Die” war Pflicht, danach folgte das vom Publikum lange geforderte „Punishment“ bevor „Hold My Own das reguläre Set beendete.
Doch Köln wollte mehr und so kam Biohazard für drei weitere Songs auf die Bühne. „Keep your friends close, but your enemies closer“ schrie Billy ins Mikro und der Beat und die Riffs von „Retribution“ erklangen.  An diesem Abend hat kein Klassiker gefehlt, einzig Gründungsmitglied Evan Seinfeld fehlte dann doch auf der Bühne. Das Charisma, was Seinfeld an den Tag legte, konnte Scott Roberts nicht ersetzen. Mit dem Versprechen nächstes Jahr wieder zu kommen verabschiedeten sich Biohazard mit „Howard Beach“ und „Love Denied“.
(Markus Tils)