Bring Me the Horizon live in Bochum

Bring Me the Horizon

(17.11.2016, Bochum, Ruhrcongress) Schwarze, ins Gesicht gekämmte Emo-Matten und Kajal-verschmierte Augen wo man auch hinsieht. Ein bisschen fühlt man sich zehn Jahre in der Zeit zurückversetzt, wären da nicht die vielen kreischenden Mädels (sollte es die damals gegeben haben, dann habe ich sie erfolgreich verdrängt) und die 8 von 10 Konzertbesucher mit Bring Me To Horizon Shirts, die anscheinend nicht mit der ungeschriebenen Regel vertraut sind. Die älteren Herrschaften (wie ich) verziehen sich auf die Tribünen des Ruhrcongress, wo der Blick und der Sound besser sind und wo man sich zwischendurch mal die müden Beine ausruhen kann. Basement und While She Sleeps sind gute Opener und haben offensichtlich Bock, heizen die Menge an. Und dann – nach rund einer halben Stunde Umbauphase, in der die Bühne mit starker LED-Technik auf großen Tribünentreppen ausgestattet wird, springen Oli Sykes und Co auf die Bühne und starten das Set mit einem großen Knall und Luftschlangenkanonen, die bis zum Ende des Abends kunterbunt von der Decke hängen. Während der ersten Songs kann die hellerleuchtete Bühne und die bunten Bilder darauf – darunter Herzen, Hipster-Dreiecke und riesige Wellen – noch über die unmotivierte Performance der Band hinwegtäuschen, aber alsbald reicht auch das nicht mehr aus. Es ist kein schlechtes Konzert. Die Menge geht ab, die Songperformance ist technisch gut umgesetzt (wobei zwischendurch die Frage aufkommt, wieviel davon live und wieviel Playback ist).

Bring Me the Horizon live in Bochum

Aber es fehlt das Herz und die Seele. Die kreischenden Mädchen scheint es nicht zu stören. Vielleicht stellen sie sich vor, wie sie auf die Bühne stürmen, Oli die viel zu langen Haare aus dem Gesicht streichen, er sie in seine tätowierten Arme nimmt und mit ihnen in den orangeroten Sonnenuntergang reitet. Anders als ich können die pubertierenden, hormongeladenen Kreischmädels anscheinend darüber hinwegsehen, dass das “thank you” ein bisschen klingt wie “zum Glück sind wir jetzt wieder einen Song näher am Ende des Konzerts und dann können wir endlich diese Bühne verlassen. Also danke dafür”. Ein letztes Aufbäumen gibt es dann bei der Zugabe: die Lichttechnik ist reduzierter, die Band präsenter und der Kontakt zum Publikum echter, als wäre eine Barriere gefallen. Am Ende gibt’s noch eine Konfetti-Kanone und kurz danach werden die Besucher von der Venue hinausgekehrt. Es war kein schlechtes Konzert – technisch gesehen. Aber das ist ungefähr so, als würde man sagen “das war kein schlechter Kuss – technisch gesehen”. Ich habe getanzt, ich habe mitgesungen, aber am Ende war es so ein bisschen wie nach einem One Night Stand: man geht heim und denkt “das war ganz nett, aber irgendwie hätte ich mir das auch sparen können”.

Info: www.facebook.com/bmthofficial