Antilopen Gang live in Köln

(07.03.2017, Köln, Live Music Hall) An einem trüben und verregneten Mittwochabend trat die Antilopen Gang – bestehend aus Koljah, Panik Panzer und Danger Dan – zu einem quasi Heimspiel in der lange im voraus ausverkauften Kölner Live Music Hall an. Teilweise wurden sie dabei durch punkige Kölner Lokalprominenz musikalisch unterstützt (dazu später mehr). Der Unterschied zum – nach Aussage von Panik Panzer – letzten Konzert in Köln-Ehrenfeld 2011 im „Club Scheiße“ einige Meter entfernt, könnte nicht viel größer sein, da dort wahrscheinlich maximal 5 % der heutigen Besucher zu Gast waren.

Mit ihrer dritten – im Januar 2017 veröffentlichten – Platte „Anarchie und Alltag“ (nach dem Debüt „Aversion“ 2014 und dem kostenlosen „Abwasser“ 2015) ging es direkt auf Platz # 1 der deutschen Album-Charts. Dort anschließend abgelöst von Kreator und diese wiederum von den Broilers, beide ebenfalls mit positiven politischen Songs, wenn auch nicht so direkt rausgehauen wie von der Antilopen Gang. Diese verstehen sich selber nicht als politische Rapper, beziehen in ihren Texten jedoch eine klare Stellung, ohne sich dabei in irgendeine linke Schublade stecken zu lassen.

Vom Opening Act „Juse Ju“ habe ich leider nur noch „G-G-G-G-German Angst“ mitbekommen, die Stimmung in der bereits gut gefüllten LMH war schon auf hohem Niveau und die Leute haben sich bereits gut warm gemacht für die Gang.

Angeführt vom kurz angespielten „Trojanischen Pferd“ als Intro sind die „DIE KYNGZ BACK!!!1“ und starten in einen fulminanten Abend mit drei sehr gut aufgelegten Antilopen, die sich quer durch alle Alben spielen. Weiter geht es mit „Outlaws“ und dem nächsten neuen und etwas schnelleren Song „Fiasko“, bei dem die Leute vor der Bühne gut mitgehen. Danach folgen mit „Leben eines Rappers“ und „Abwasser“ zwei Stücke vom gleichnamigen zweiten Album.

Weiter geht es mit „dem goldenen Presslufthammer“ bei dem sich die Bühenndeko dreht, den Blick auf das Anarchie und Alltag Cover freigibt und es ab dann Unterstützung durch live gespieltes Schlagzeug, Bass und Gitarre gibt. Das verabreicht dem ganzen eine gut rockende Attitüde, was durch den Gastauftritt des „Nachbarns“ von PanikPanzer in Köln-Deutz, Ingo von den Donots, noch gesteigert wird. Dieser lässt sich auch nicht zwei Mal bitten und dreht während des Songs richtig auf, was die Antilopen auf ihrer Facebook-Seite später treffend als „Einmal den goldenen Presslufthammer mit Ingo Donots Wahnsinn bereichern? Check!“ beschreiben.

Gefolgt vom „Stück Dreck“ aus dem „Abwasser“ werden dann „Flop“ und „Liebe Grüße“ vom neuen Album zelebriert, wobei Juse Ju bei letzterem zur Unterstützung mit auf der Bühne ist. Dann ist es Zeit für den großen Hit „Beate Zschäpe hört U2“, der vom textsicheren Publikum abgefeiert wird. Nach der Vereinigung der ganzen Halle zum „Patientenkollektiv“ und zugehöriger Gruppentherapie wird vom möglichen „Tindermatch“ zwischen Denis Cuspert (ehemals Rapper, jetzt IS-Terrorist) und Lutz Bachmann (Pegida) berichtet, da beide derselbe Hass vereint.

Zum Ende werden mit dem „Enkeltrick“ und der „Pizza“ zwei noch jeweils großartige Stücke von „Aversion“ und „Anarchie und Alltag“ auf die Menge losgelassen, welche diese dankbar annimmt und sich durch lautstarkes Mitsingen erkenntlich zeigt. Nach einer kurzen Verabschiedung und Verschnaufpause, beginnt die Zugabe mit den beiden älteren Tracks „So ungefähr“ und „Motto Mobbing“ von 2012 bzw. 2011, gefolgt von den drei neuen „Hilfe“, „Baggersee“ und „Anti Alles Aktion“. Bei diesem letzten Lied der Zugabe wird es noch einmal punkig und die „Anti Alles Aktion“ mit einem Gastauftritt von Claus Lüer von Knochenfabrik aus Köln-Porz gekrönt. Dieser hatte auch beim Bonusalbum „Atombombe auf Deutschland“ den Refrain übernommen. Textlich dürfte es ihm nicht so schwer gefallen sein, da der Part „Wir hatten uns nicht vorgenommen, jemals auf die Welt zu kommen und trotzdem ist es irgendwie passiert“ aus seinem Knochenfabrik Song „Filmriss“ vom Album „Ameisenstaat“ stammt.

Die zweite Zugabe besteht dann aus „Verliebt“ und „Fick die Uni“. Beim letzten kann fast die ganze Halle animiert werden, in die Hocke zu gehen und rastet zum Abschluss noch einmal schön aus. Die gute Stimmung hat sich durch den ganzen Auftritt gezogen und auch auf der Bühne war die Motivation hoch und die Spielfreude groß. Vor allem bei den Stücken mit Band konnte man merken, dass diese dann live viel mehr abgehen, als nur die reinen Rap-Geschichten.

Nach dem Konzert begleitet „Wir müssen hier raus!“ von Ton Steine Scherben die erschöpften und glücklichen Besucher hinaus in die Ehrenfelder Nacht. Und auch der nächste Auftritt der Antilopen Gang in der Domstadt steht bereits fest: Am 02.03.2018 gibt es dann ein Wiedersehen im deutlich größeren E-Werk.

Info: www.antilopengang.de