Enter Shikari live in Köln

Enter Shikari live in Köln

(03.12.2017, Köln, Palladium) Eine seltsam gediegene Stimmung schlägt mir entgegen, als ich an diesen regnerischen Sonntagabend die Vorhalle des Palladium betrete. Obwohl die erste Vorband (Astroid Boys) bereits auf der Bühne steht, ist es erst mäßig voll und die Leute stehen teilweise mit Bier, teilweise mit einem warmen Käffchen in kleinen Gruppen über den Vorraum verstreut und unterhalten sich leise. Astroid Boys (irgendwie DJ, irgendwie Hip Hop und aus London – das Publikum ist irritiert, wie sich diese Band in den Abend einfügen soll), die Halle ist gähnend leer.

Auch Umbaupause und die zweite Vorband – Lower Than Atlantis – dessen größter Aufmerksamkeitspunkt die aneinandergestellten und mit zusammengefügten Wellenformen beklebten grauen Marshall Verstärker sind – ändert daran nicht viel. Mitten in deren Set wird skandiert: „Enter Shikari, Enter Shikari!“ Ein bisschen gemein irgendwie, aber vielleicht sollten die eben genannten ihre Vorbands nicht unbedingt nach der Heimatstadt, sondern lieber nach stylistischer Passung aussuchen.

Naja, jedenfalls wird nicht überzogen und nach Umbau gehen pünktlich um 21.30Uhr die berüchtigten Enter Shikari „vom Planet Erde“ samt verrückt aussehendem Radar Keyboard – bekannt vom Cover der neuen Platte The Spark – und großer LED Leinwand an den Start. Schon beim Intro kommt Leben ins Publikum und bei den ersten Klängen von „The Sights“ rastet das Publikum komplett aus. Warum nicht gleich so? Rou Reynolds hat sich ne Matte wachsen lassen und passend zum irgendwie post-futuristischen Setting auf der Bühne sieht er aus wie ein Einstein Junior, der gerade in eine Steckdose gefasst hat. Die Energie auf der Bühne ist unglaublich. Ein Song nach dem anderen wird runtergekloppt und die meisten davon sind tatsächlich vom neuen Album, womit ich nicht gerechnet hätte. Bei den Fans ist es ja sehr unterschiedlich angekommen. Für mich ist es eins meiner persönlichen Highlight-Alben 2017. Enter Shikari hat damit bewiesen, dass sie sich selbst immer wieder neu erfinden können ohne sich zu wiederholen und ohne sich selbst komplett untreu zu werden. Die Meisterschaft einer sehr engen Gradwanderung!

Aber zurück zum Konzert: die Halle bebt! Nein Wirklich! Ich stehe ganz hinten und kann das Stampfen der Füße von tanzenden und moshenden Menschen im Boden spüren. Eins der tollsten Gefühle überhaupt! Und als ich gerade näher ran will, kommen Rob und Rou zu uns nach hinten und spielen zwei Accoustic Songs. Besonderes Hightlight ist ein akkustisches „Airfield“ und davor diese Ansage: „Alright, I’m gonna play a song called Airfield and this goes out to anyone who is currently having the worst year of their life!“ Nach dem kleinen Intermezzo kehren die beiden zurück und dann folgt etwas Unglaubliches: 8 Songs in 4 Minuten mit 160 bpm – den Start macht ein sehr schnelles “Sorry, You´re not a Winner“, gefolgt von drei anderen Songs, die ich ehrlich gesagt nicht zu identifizieren in der Lage bin. War trotzdem sehr geil! Noch ein Song, Licht an, Zugabe und dann noch zwei Songs zum Abschluss dieses grandiosen Abends. Ganz zum Schluss ein „Live Outside“ und raus mit uns in den Regen, in den Rest dieses Sonntagabends, in unsere Wohnzimmer. Doch nicht ohne einen gewissen Glanz auf unseren Augen, den die Jungs aus London dort platziert haben und der sich tagelang nicht wegputzen lässt.

Enter Shikari – eine wirklich fantastische Live-Band! Punkt. Aus! Vorhang zu.

Info: www.entershikari.com