Familiy First Festival (Warm-Up Show) – Boysetsfire, Matze Rossi, Coldburn

Boysetsfire_Family_First

(01.02.2018, Köln. Live Music Hall)

Vier Wochen nach Ankündigung der zweiten Ausgabe des erstmalig 2015 in Köln veranstalteten Family First Festivals im Oktober letzten Jahres war die Show mit Boysetsfire als Headliner und „Veranstalter“ im Kölner Palladium komplett ausverkauft. Kurzerhand wurde eine Warm-Up Show in der Live Music Hall und schließlich auch eine nicht ganz so geheime „Secret Show“ im Gebäude 9 geplant und auch einen Solo Gig ließ sich Sänger Nathan Gray nicht nehmen. Alle Shows konnten bis auf den letzten Platz ausverkauft werden, was man als einen einschlagenden Erfolg bezeichnen kann.

Konzept der Family First Festivals ist es, dass nicht einfach Bands von Bookern oder Labels für die Konzerte zusammen „gecastet“ werden, sondern dass die Band aus reinem Spaß an der Freude mit befreundeten Künstlern spielt und alle einen schönen Abend haben. Für die Mini-Tour, die es tatsächlich nur in Köln gab, wurde sogar die in 2016 angekündigte Schaffens- und Live-Pause der in die Jahre gekommenen Post-Hardcore/Emo-Rocker unterbrochen.

Wir hatten das Vergnügen, an der Warm-Up Show teilzunehmen. Angekündigt waren dafür als Support ursprünglich Coldburn und ex Funeral for a Friend Sänger Matt Davies mit seinem Singer-Songwriter Soloprojekt. Da letztgenannter aber leider absagen musste, sprang Label-Kumpane Matze Rossi in die Bresche. Seines Zeichens auch Singer-Songwriter. Wobei – im deutschsprachigen Raum nennt man das wohl eher Liedermacher. Doch erstmal alles zurück auf Anfang.

Es herrscht gespannte Aufregung in der sich füllenden Live Music Hall. Es ist ein kalter Februarabend und die Schlange des Mädchenklos ist verdächtig lang. In der Tat scheint ein Großteil des Publikums weiblich zu sein, oder aus Pärchen zu bestehen. Die Gründe dafür bleiben jetzt mal unkommentiert. Coldburn aus Leipzig sind jedenfalls nicht daran Schuld! Nebelschwaden steigen auf, als die fünf Jungs die Bühne besteigen und von ihr aus der Live Music Hall die Atmosphäre eines kleinen Punk-Kellers verleihen. Auch wenn sie sicherlich eben solche kleineren Bühnen und keine riesigen Schlachtschiffe mit Graben gewohnt sind, füllen sie den Raum und heizen die Menge ordentlich an. Ein paar Menschen in der ersten Reihe schauen noch ein bisschen gelangweilt drein, der Rest ist aber schon ordentlich am Pogen und es entsteht sogar ein kleiner Circle-Pit inmitten der Halle. Die Spielzeit von um die 25 Minuten gehen gefühlt viel zu schnell vorbei und man hört schon erstes Maulen, dass ja jetzt so eine Spaßbremse mit Gitarre kommen wird. 

Über die Reihenfolge der Künstler kann man sich an dieser Stelle wirklich streiten. Nachdem Coldburn so richtig eingeheizt haben, stellt Matze Rossi einen kleinen Bruch da. Und er wirkt auch ein bisschen verloren auf der großen Bühne. Dass er das offen anspricht und dem Publikum erzählt, wie aufgeregt er ist und wie schwer es ihm fällt, einer der Opener für Boysetsfire zu sein, holt ihn aber ein bisschen näher ran und nach ein paar Songs wird versöhnlich zu den eher melancholischen Songs mitgeschunkelt. Spätestens als er „Filmriss“ von der Kölner Band Knochenfabrik in einer Akkustikversion zum Besten gibt, ist es um das Publikum geschehen und sie haben den Liedermacher tief in ihre Herzen geschlossen. „Kündigt eure Jobs und macht was er liebt!“, appelliert er noch an die Kölner und schon ist er verschwunden.

Und dann endlich ist es soweit! „No justice, no peace“ dröhnt es aus den Boxen und Boysetsfire stürmen mit „After the Eulogy“ und einer gewaltigen Präsenz auf die Bühne, die das wahre Alter ihrer Bandmitglieder Lügen straft. „What’s your anger, what’s your fucking rage?“, schreit Nathan Gray ins Mikro und für einen Moment ist das Publikum wie weggeblasen. Mit diesem Opener hatte wohl niemand gerechnet. Und dann folgen 75 Minuten reinstes Adrenalin. Anders als auf den frühen Reunion Shows 2010 strotzt die Band vor Energie und ich kann nur staunend dastehen während sie einen Hit nach dem anderen abreißen. Mein besonderes Highlight: „The Misery Index“. Dieser wunderschöne 3/4 Takt Song, auf den man auch einen schnellen Walzer tanzen könnte. Und als Zugaben folgen dann „Requiem“ und „Empire“. Licht an. Ungläubiges Gemurmel und ein bisschen Kopfschütteln. Das war es schon? Was war das schön!

Hoffentlich vergehen bis zur nächsten kleinen oder großen Tour nicht wieder so viele Jahre!

Info: www.boysetsfire.net | www.matzerossi.com| www.facebook.com/coldburnfuckyou