Impericon Festival Oberhausen 2018

Alexander Dietz - Heaven Shall Burn

(21.04.2018, Turbinenhalle, Oberhausen) Träge stehen noch die Scharen von Fans vor der nahezu ausverkauften Turbinenhalle in der warmen Aprilsonne an einem der ersten heißen Tage in diesem Jahr und wollen noch nicht so recht reingehen, trinken noch ihre Dosen- und Mischbiere, denn Re-Entry ist erst wieder ab 16Uhr und bis dahin kann man nicht mehr zum Auto, um dort die mitgebrachten Vorräte zu zischen. Der Parkplatz ist bereits zu dieser frühen Uhrzeit – knapp 14Uhr – ziemlich picke packe voll und die gut gelaunten Parkplatz-Wärter haben ein gutes Geschäft gemacht. Wobei die drei Euro, mit denen zur Kasse gebeten wird echt vertretbar sind.
Und dann rein in die gute Stube. In der großen Halle zu Grizzly noch gähnende Leere. Also weitergezogen und kurz geschnackt, dabei Blood Youth – letzten Dezember noch Vorband auf der Tour von Caliban – im Gegensatz zu ihren Mitstreitern Bury Tormorrow in die kleine Halle verfrachtet und mit knapp 30 Minuten Spielzeit kaum mal angespielt. Aber man läuft sich so langsam warm. We Came As Romans spielen dann aber gefühlt viel zu früh und da man sich für den Einlass in den Fotograben noch komplett durch die Menschenmassen kämpfen muss, die sich mittlerweile doch in der großen Halle versammelt haben, fallen Bilder leider flach.
Dann schnell schnell in die Marshall Stage genannte kleine Halle zu Novelists – die Metal Shooting Stars aus Paris, die erst im vergangenen Jahr While She Sleeps und Northlane auf ihrer Tour begleitet haben und ihren ersten Sign mit Sharp Tone Records einsacken konnten. Die gute Laune ist ihnen trotz des frühen Nachmittags anzusehen und es geht sowohl auf, als auch vor der Bühne schon einiges ab. Auch die 20 Minuten gehen schnell um, denn auf der Monster Stage sind schon Alazka für ihren Auftritt bereit. Leider bin ich auch da für Bilder wieder zu spät dran, aber zum Glück wird danach das Fotografieren umorganisiert und eine leichte Verzögerung in der großen Halle macht uns Fotografen das Leben ein bisschen leichter. So richtig freue ich mich auch auf das Acoustic Set der Recklinghausener, die letzten Herbst mit ihrer letzten Platte als Headlines durch Europa tourten.
Vitja werden zugunsten des Silverstein Acoustic Sets links liegen gelassen. Shane Told stimmt dann auch erstmal, fröhlich „Wonderwall“ an und es wäre so cool gewesen, wenn er das Stück auch wirklich gespielt hätte. Stattdessen folgen Songs, die er – wie er sagt – im normalen Set von Silverstein nie spielen kann: California, Toronto, My Heroine (wobei ich das auch schon mit Silverstein gehört habe) und die zwanzig Minuten gehen schneller um, als man gucken kann! Also schnell rüber zu Oceans Ate Alaska, die sich an diesem Abend vor allem von ihrer härteren Seite zeigen und mit einem Jake Noakes am Start sind, der wie ein Verrückter über die Bühne springt, sich immer wieder auf die Knie stürzt und vor Intensität und Emotionalität nur so sprüht.
Es folgen Attila und Lionheart (Obey the Brave verpasse ich leider), die beide zwar eine ganz nette Performance abgehen, bei der leider ein bisschen der Elan zu fehlen scheint. Dann geben Knockled Loose ihre Performance zum Besten – diese Energie und das Umhergewirbel machen einfach Spaß, bevor auf der kleinen Bühne mit der Alazka Acoustic Session das Licht gedimmt und leisere Töne angeschlagen werden. Die Performance ist begleitet von einem einzigen Atem anhalten des Publikums, die gebannt und still auf die Bühne starren. Man wünscht sich so sehr, dass die Band mal ein Acoustic Album herausbringt!
Mit super gelaunten Jungs von Bury Tomorrow wird derweil auf der großen Bühne für heitere Stimmung gesorgt bevor Shane Told – nun begleitet von allen Silverstein Musikern ein zweites Mal die Bühne betritt. Und egal wie oft man diese Band auch gesehen haben mag: Call it Karma, Your Sword vs. My Dagger und My Disaster kann man eigentlich nicht oft genug hören. Und auch wenn es viele viele neue Stücke gibt, werden diese immer mit deutlich weniger Raunen begleitet als die alten. Nach Any Given Day und einem sich bis zur Erschöpfung verausgabenden Andrew Neufeld von Comeback Kid verpasse ich leider Neaera und hab einfach nur noch Bock auf das Highlight (und den Headlines) des Tages:
Heaven Shall Burn. Und natürlich halten sie, was man von einer HSB-Performance nunmal erwartet. Hinter dem Vorhang wird eifrig umgebaut während langsam die Klänge des Scooter-Intros Always Hardcore im Publikum für Stimmung sorgen. Das Bühnenbild ist futuristisch. Schlagzeuger Chris thront hoch über den anderen Musikern in einer Art sehr gut ausgeleuchteten Kasten und Sänger Marcus Bischoff trägt mal wieder das bekannte rote, mit dem Band-Schriftzug versehene Hemd. Und was darf nicht fehlen: Luftschlangen-Kanonen und beindruckende Bühnen-Pyrotechnik, die zwischendurch die ganze Band hinter einer Flammenwand verschwinden lässt. Dazu ordentliche anderthalb Stunden Bühnenshow, in der wirklich alles abgerissen wird, das die Band in 22 Jahren Bandgeschichte an Hits produziert hat. Dabei auch viele Songs von den Alben Antigone (2004) und Iconoclast (2008). Hier dürfen natürlich auch Voice of the Voiceless, Black Tears und Endzeit nicht fehlen.
Um kurz vor halb zwölf – also elf Stunden nach „Doors Open“ fällt dann der Vorhang für das Impericon Festival Oberhausen 2018 und man möchte sich eigentlich nur tief verneigen und bedanken: bei den Veranstaltern, Künstlern, Teilnehmern, die ein solch tolles Festival jedes Jahr wieder möglich machen. Und eins ist klar: 2019 sehen wir uns wieder! Diesmal wohl leider ohne Heaven Shall Burn. Denn die haben nach anderthalb Jahren Tour erstmal eine Pause angekündigt.