Tiny Moving Parts live in Köln – Support: Orchards

Tiny Moving Parts - MTC

(18.04.2018, Köln, MTC) „Ausverkauft!“ prangt auf dem ausgedruckten und mit Tesafilm angeheften DinA4 Blatt am kleinen hölzernen Kassenpult direkt am Eingang des MTC Köln. Davor hat sich neben dem obligatorischem schwarzen Tourbus auch schon die Creme de la Creme der NRW Konzertbesucher versammelt, um kurz vor dem Konzert an diesem ersten richtig warmen Abend in diesem Jahr nochmal ein Kippchen zu rauchen und ein Bierchen zu trinken.

Die Treppe hinab in den Räumlichkeiten ist es fünfzehn Minuten vor Beginn noch beschaulich. Also schnell nochmal wohin, die beste Ecke zum fotografieren mit den anwesenden Knips-Kollegen gesichert und schon gehts los mit der Vorband Orchards. Die Vierer-Kombo rund um Sängerin Lucy sorgt dann auch gleich für die richtige Einstimmung. Der Band deren Namen übersetzt „Obstgarten“ heißt und die aus Brighton – dem größten Seebad Großbritanniens – stammt, scheint die Sonne jedenfalls aus dem Allerwertesten. Und Lucy ist nicht nur unfassbar gut drauf und freut sich wie Bolle, dass manche Leute sogar mitsingen – sie sieht auch irgendwie ein bisschen aus wie die britische Version von Pippi Langstrumpf während der Rest der Band äußerlich eine gute Mischung aus Hipster, Hippie und aus den 80ern oder Filmen wie Trainspotting entsprungene Figuren darstellt. Der Sound ist leicht elektro und mit der Stimme der lieblichen Lucy einfach wunderschön und zuckersüß. Der beste Soundtrack für diese Jahreszeit. Also am besten mal den Musikstreamdienst der Wahl angeschmissen und losgehört. Aber dabei bloß nicht ausversehen die Namensvetter – Orchards aus Texas – anmachen. Das ist zwar auch nicht ganz so schlechter Metalcore, könnte aber nach dieser Berichterstattung durchaus zu Irritationen führen.
Nach guten 35 Minuten haben Orchards fertig und nach einer wirklich winzigen Umbaupause sind die drei Jungs von Tiny Moving Parts am Start und springen mit bester Laune auf die Bühne. Drummer „Wild Bill“ im obligatorischen Hawaiihemd, das er aber ganz schnell auszieht. Denn kaum hat die Band angefangen zu spielen – sie starten mit dem Smash-Hit Applause der neuen Scheibe Swell – tummeln sich die ersten Crowdsurfer unter der tiefen Decke und erkämpfen sich ihren Weg auf die Bühne. Nach spätestens drei Songs ist kein Auge – und kein Shirt – mehr trocken! Es wird mit gesungen und geschrien, sich in den Armen gehalten und aneinander festgehalten was das Zeug hält. Insgesamt ist es eine gute Mischung aus ganz neuen, mittel-alten und ganz alten Songs. Der wilde Bill kommt jedenfalls ganz schön ins Schwitzen, Dylan freut sich wie sonstwas und schmeißt sich ran ans Publikum und Matt steht schüchtern und strahlend wie immer eher am Rand und lässt sich von der Musik vollkommen mitreißen. Man merkt einfach, dass Musik für die drei nicht nur einfach ein Job ist und außerdem merkt man, dass sie sich unfassbar gut verstehen. Die Chemie und das Zusammenspiel stimmen einfach und das Publikum ist einfach Teil der Show, kommt der Band ganz nah. Die Grenzen verschwimmen. Ein eindeutiger Vorteil von Bühnen ohne Graben! Dass man zwischendurch aufpassen muss, dass die mitgebrachte Kamera nicht einem der enthusiastischen Stagedivern oder einem Gitarrenhals zum Opfer fällt ist zweitrangig. So gut die Ergebnisse von voll ausgeleuchteten Konzerten in großen Sälen auch sind – sie kommen an das unfassbar intensive Gefühl einer Clubshow einfach nicht ran. Und wer die Jungs von Tiny Moving Parts verpasst haben sollten: im Herbst gibt es in Deutschland noch ein paar Shows:

28.09. Berlin, Musik & Frieden
29.09. Stuttgart, ClubCANN
30.09. Frankfurt am Main, Nachtleben
01.10. Hannover, Lux

Info: Tiny Moving Parts , Orchards