Sleeping With Sirens live in Köln

(22.05.2018, Köln, Essigfabrik) Wenn der Hauptteil des Publikums aus Mädchen um die 18 und Männer über 50 (zum Glück keine Pädophilen, sondern deren Väter) besteht, dann hat das immer was vom Besuch der Kelly Family und man fühlt sich furchtbar fehl am Platz. Noch schlimmer wird das, wenn die erste Reihe aus Mädchen mit Luftballons und Rosen besteht, die beim ersten Aufblitzen des Scheinwerferlichts wie die Irren zu kreischen beginnen. Aber kein Wunder, wenn sich Mitchel Cave – seines Zeichens Frontmann von Chase Atlantic – ohne Shirt, dafür aber mit Jeansjacke bekleidet und seinen magerem, hageren, leicht trainiertem Körper auf die Bühne stellt. Er scheint das Kreischen zu genießen während die Band den ersten Song anstimmt. Er wirbelt über die Bühne, die Dreadlocks verdecken das meisten seines nicht ganz unattraktiven Gesichts. Die Songtexte, die ich mir im Nachhinein anhöre sind ein bisschen verstörend und ich hoffe einfach, dass dieses Körper zur Schau stellen einfach Teil der Show ist und es ihm sonst gut geht. Die übrigen Bandmitglieder scheinen ihn auch eher etwas aus der Distanz und liebevoll amüsiert anzusehen so nach dem Motto „er schon wieder“.  Heimlicher Star der Band ist ohnehin Mitchels Bruder Clinton – denn was ist sinnlicher als Saxophon? Die kreischenden Mädels allerdings haben anscheinend nur Augen für nackte Haut.

chase atlantic

Das nicht ganz so freizügige aber nicht weniger weirde Duo Chapel bringt die pubertierende Menge dann  doch ein wenig durcheinander und gehen kurz raus eine rauchen während Sänger/Gitarrist Carter Hartwin und Schlagzeugerin Kortney Grinwis ihre irgendwie etwas holprige und hüpfige Show abziehen. Ich wäre auch überzeugt gewesen, dass sie aus Großbritannien kommen, aber tatsächlich kommen sie aus Athens, Georgia – also mitten aus den Staaten. Beide sind ziemlich coole Typen, bunte Vögel. Eine interessante Indie Combo, die man sich vielleicht mal genauer anschauen sollte.

Aber nicht an diesem Abend, denn jetzt warten nur noch alle gespannt auf die Attraktion des Abends: Sleeping With Sirens und genau genommen vor allem auf einen Mann: Sänger und Mr. Chief Schönling Kellin Quinn. Und kaum auf der Bühne angekommen geht es schon los mit „We Like it Loud“, „Go Go Go“ und „Better Off Dead“ drei alte Hits rausgehauen. Trotz Album betitelter „Gossip“-Tour ist die Setlist eine gute Mischung aus Alt und Neu. Wie Wirbelwinde tanzen die vier Instrumentehalter vergnügt über die Bühne so als wöre das nicht schon die X-te Show der Tour und auch Schlagzeuger Gabe strahlt munter mit den beglossten Lippen des überdimensionalen „Gossip“- Backdrop um die Wette strahlt. Das Kreischen ist derweil bereits bei Chapel verstummt, die erste Reihe hält zwar immer noch Plakate hoch, aber die Rosen sind gewichen und ein Teil des Publikums scheint samt Vätern bereits heim gegangen zu sein. Als Zugabe gibt es noch den wohl längsten Songtitel und gleichzeitig Smash-Hit des Debut-Albums „If I’m James Dean, You’re Audrey Hepburn“, mit „If You Can’t Hang“ einen meiner Lieblingssongs und zu guter Letzt „Kick Me“ vom 2015er Album „Madness“. Dann gehen alle beseelt und schwingenden Tanzschritts in die warme Sommernacht hinaus.

Sleeping With Sirens

Infos: www.chaseatlantic.com | www.facebook.com/ChapelUSA | www.sleepingwithsirens.net