Taking Back Sunday & The Maine live in Münster

The Maine

(31.05.2018, Münster, Skater’s Palace) Ein wundervoller Frühsommertag an einem deutschen Feiertag. Früh am Nachmittag ist der Biergarten des Skater’s Palace bereits gefüllt mit gemütlich da sitzenden und Bierchen trinkenden Konzertbesuchern. Leider geht das gute Wetter und die Gemütlichkeit zu Lasten von den wirklichen soliden Newcomern KID DAD. Die liefern eine ordentliche Show ab, die musikalisch wie visuell eine gute Mischung ist zwischen Nirvana und The Cure. Die mitgebrachten Fans in den ersten zwei Reihen gehen ordentlich ab. Die restlichen zwei Reihen verteilen sich im großen Raum und wippen eher ein bisschen träge und gelangweilt von einem Fuß zum andern. Das wird dieser Band wirklich nicht gerecht, denn meiner Meinung nach haben die Paderborner echtes Potential und auch eine gute Bühnenpräsenz. Leider macht aber die Kamera auch nicht so richtig mit, so dass keine verwertbaren Bilder produziert werden und alle anderen Fotografen meckern über zu sehr gedimmtes, zu rotes Licht und zu viel Nebel.
Aber anscheinend ist das so gewollt, denn als The Maine die Bühne betreten ändert sich schlagartig sowohl Licht als auch Stimmung. Unfassbar, dass diese Band bis zu diesem Tag an mir vorbei gegangen war. Dabei gibt es sie schon seit 2007. Zu der Zeit gingen die fünf zusammen auf die Highschool und die Besetzung hat sich seitdem nicht geändert – was bei einer 11-Jährigen Bandgeschichte schon ungewöhnlich ist. Sänger John O’Callaghan ist jedenfalls ein Entertainer wie er im Buche steht und hat eine Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht. Dem entsprechend wird auf wie vor der Bühne gefeiert was das Zeug hält und textsicher ist das Publikum auch noch. Zwar gibt es keine Crowdsurfer (ist ja schließlich keine Punkrockband), aber es geht trotzdem ganz schön ab und es wird getanzt und mitgeschrien was das Zeug hält.
Mittendrin sucht John dann einen Freiwilligen, der zu ihm auf die Bühne kommen soll. Ausgesucht wird Lukas – ziemlich verdutzt und dem Englischen anscheinend nicht mächtig. Aber er wird von John unter die Fittiche genommen und er lernt den Text von „Girls Do What They Want“, das bereits 2008 erschien. Er soll die Passage „Girls do what they want, guys do what the can“ singen, was er nach ein paar mal üben und Anweisungen von John mit Bravour und unter Grölen und tosendem Applaus des Publikums präsentiert. Gitarrist Jared und Bassist Garrett haben nicht nur Namen, die sich reimen, sondern haben in der Rhythmusgruppe anscheinend auch wunderbaren Spielspaß miteinander. Kennedy wiederum – zuständig für Solo-Gitarre und zweite Stimme scheint völlig in der Musik aufzugehen. Gleiches gilt für Schlagzeuger Pat, der in der direkten Begegnung etwas schüchtern. Hier stehen fünf Menschen auf der Bühne, die auch nach über zehn Jahren gemeinsamer Bühne dieses Leben feiern, als wäre jeder Auftritt der erste. Mit Merchandise wie „Make America Emo Again“ zeigen sie sich auf eine angenehm ironische Art politikkritisch.
Musikalisch dabei sind neben den Hits des aktuellen Albums „Lovely Little Lonely“ auch Songs von „American Candy“ und dem 2013er Album „Forever Halloween“. Nach der Show nehmen sich die Fünf Zeit zum Quatschen und Bilder machen mit den Fans bis wir alle von der Crew des Skater’s Palace rausgefegt werden. Die Band schreibt sich nämlich auf die Fahne, dass ein Meet & Greet keine Sache von höheren Preisen und VIP-Tickets sein darf, sondern sind einfach für alle Fans gleichermaßen da. Sehr sympathisch!
Da verwundert es ehrlich gesagt nicht, dass die Halle sich zum Auftritt der eigentlichen Headliner Taking Back Sunday wieder merklich leert und sich einige wieder in den Biergarten setzen, weil sie eigentlich für die Vorband gekommen sind. Ohne den Smash-Stars der frühen 2000er und Legenden des Emo ein Unrecht tun zu wollen muss man schon sagen, dass sich nach der Energie und Dynamik, die noch kurz zuvor auf der Bühne zu erleben war, die in die Jahre gekommenen Rocker etwas träge daher kommen. Zwar sind die Jungs auch erst Ende 30, kommen aber deutlich mehr in die Jahre gekommen herüber. Zwar nimmt das Gefühl und die Leidenschaft mit der Zeit ein wenig Fahrt auf, aber gerade Hits wie „Cute Without the ‚E‘ (Cut From the Team)“ und „You’re So Last Summer“ kommen ein wenig heruntergeleiert daher. Aber so richtig scheint die Band nicht mehr zu wissen, wer sie sind. Vielleicht fehlt ein bisschen eine neue Richtung und auch die Kontinuität. Anders als bei The Maine ist Gitarrist Eddie Reyes das letzte verbleibende Gründungsmitglied. Es ist ja auch nicht einfach, sich als Band immer neu zu erfinden und den Spaß an der Musik zu erhalten. Es bleibt zu wünschen, dass Taking Back Sunday diesen Dreh irgendwie noch hinbekommt. Im Kontrast mit The Maine sind sie jedenfalls nur noch ein alter, verstaubter Schatten dessen, was man 2004 auf der Taste of Chaos Tour gefeiert hat. Und während The Maine sich noch mit dem Publikum einen Plausch hält, räumt Taking Back Sunday schon vor dem Skater’s Palace ihr Equipment ein. Echt schade eigentlich!

Info:

Taking Back Sunday
The Maine
KID DAD

Photocredit: SunHeights Photography