The Used live in Bochum (Support Anchors & Hearts)

The Used

(21.08.2018, Bochum, Zeche) Nachdem das geplante Konzert Anfang Februar kurzfristig aus familiären Gründen im Hause The Used verschoben werden musste, wurde an diesem schwülwarmen Spätsommerabend im August für Ersatz gesorgt. 

Als Stimmungsmacher und Einheizer fungieren die Hamburger Jungs von Anchors & Hearts, die auch schon für Caliban, Deez Nuts und Liferuiner den Opener machten. „Kommt mal ein bisschen näher und bewegt euch. Macht euch warm, sonst gibt das bei The Used gleich ne Zerrung!“, ruft Sänger Manuel Wintjen dem Publikum in der bereits gut gefüllten Zeche Bochum zu. Wie zu erwarten zeigt sich das aber eher zurückhaltend abwartend. Man will ja nicht an diesem heißen Tag alle Energieressourcen bereits für die Vorband aufbrauchen. Und auch so reicht schon nach dem dritten Song das reine Dastehen aus, um im eigenen Saft zu baden. Irritieren lassen sich die Herzen nach Ankern werfenden (oder war es umgekehrt?) Musiker davon nicht und liefern bis zum letzten Ton eine sehr solide Show ab.

Nach rund zwanzig Minuten Umbaupause kommen die, welche schon seit dem letzten Winter auf sich warten ließen und die seit ihren goldenen Zeiten auch schon die eine oder andere enttäuschende Performance zum Besten gegeben haben. „THE USED“ prangt es in weißen Versalien auf bunt gebatiktem Hintergrund. Die Halle ist gut gefüllt und schon ertönen die ersten Klänge des Openers „Take it Away“ und Bert McCracken – einst in Schmach und Schande als „Kelly Osbourne’s Boyfriend“ bei der Familiennamen getauften Reality TV Show zu sehen, hat Alkoholismus, Bulimie und Drogensucht weit hinter sich gelassen und dafür ein breites Lächeln auf seinem Gesicht mitgebracht. Er sieht glücklich aus, hier zu sein, wirkt geradezu beseelt als er in die Menge grinst und anders als bei so manchem professionellem Auftritt unterschiedlichster Künstler, die jedem Publikum versichern, dass dies hier definitiv die beste Show der ganzen Tour ist, wirkt der Ausdruck nicht gespielt. Hier scheint man einem Menschen zu begegnen, der endlich bei sich selbst angekommen ist. Gleich zu Anfang kündigt er an, dass er heute Abend Shakespeare zum Besten geben wird „because I feel that you deserve some Shakespeare tonight“ und wirklich gibt es nach etwa jedem dritten Song ein entsprechendes Zitat aus Gedichten und Prosa.

Mitten im stimmungsvollen Song „On My Own“ bahnt sich ein Admiral (ein Schmetterling und nicht der gleichnamige Befehlshaber der Kriegsmarine) seinen Weg über das Publikum in Richtung Bühne. Er bleibt von Bert nicht unbemerkt und wird von seinen Worten und Augen verfolgt bis er einem hellblonden Kurzhaarmädchen in die Haare fliegt und dort nur knapp hinter dem rechten Ohr – von einer modeschmuckenen Haarspange nicht zu unterscheiden – sitzen bleibt. Bert ist so aus dem Häuschen, dass er in den Bühnengraben springt und den Schmetterling aus den Haaren des Mädchens in seine geöffneten Hände befördern will, doch der macht sich aus dem Staub um sich im weiteren Verlauf des Konzerts immer mal wieder schüchtern auf der Bühne zu zeigen und aus sicherer Entfernung das muntere Treiben zu beobachten.

Und das ist ehrlich gesagt eine Wucht! The Used rocken so richtig und reißen dabei Klassiker wie „Listening“, „I Caught Fire“, „Taste of Ink“ und „Box Full of Sharp Objects“ ab als hätten diese nicht schon mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel. Ein bisschen schade trotzdem, dass die neuen Stücke dadurch etwas kurz kommen. Die Leidenschaft für ihre Musik indes ist offenbar ungebrochen und das zeigt sich im Laufe des Abends vor und auf der Bühne. Bleibt zu hoffen, dass diese Band es schafft, sich auch mit ihrer neuen Musik auf den Bühnen der Welt in unsere Herzen zu spielen.

Info:
The Used
Anchors & Hearts