Ihsahn live in Köln (Support: Ne Obliviscaris & Astrosaur)

Ihsahn

(01.11.2018, Köln, Luxor) Der profilierte Studiokomponist Ihsahn, einer der bedeutendsten Innovatoren des 90er-Jahre Black-Metal lud Fans endlich zu einer kleinen Tour, nachdem sein Werk in der Vergangenheit nur während weniger Festival-Auftritte live zu vernehmen war.

Den musikalischen Auftakt des Abends bescherten zunächst Astrosaur, eine rein instrumental agierende Post-Rock Band, welche sich über einen ordentlich gefüllten Raum vor der Bühne und interessierte Ohren freuen konnte. Highlight ihres Auftritts war eine interessant arrangierte Version von Radioheads Pyramid Song, welcher sich nahtlos in das restliche Set einfügte und zumindest vom Potential zeugte, eine eigene musikalische Identität behaupten zu können. Der jungen, angenehm unaufgeregt agierenden Band wäre es in jedem Falle zu wünschen.

Auf einen definitiv anders wirkenden Auftritt setzte dagegen der zweite Act des Abends, da Ne Obliviscaris aus dem weit entfernten Australien den alten Kontinent definitiv mit einer gehörigen Portion Pathos aufzumischen suchen. Die klassische Heavy-Metal Big-Band Aufstellung von zwei Sängern, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und natürlich Geige wirkt im Kontext der eher minimalistisch anmutenden Instrumentierung der übrigen Bands und auf der kleinen Clubbühne zwar durchaus gedrängt, aber die Begeisterung einiger Fans, welche teils aus dem Ausland speziell für diesen Auftritt anreisten, erzeugte trotzdem eine ordentlich gute Stimmung die gesamte Spielzeit über.

Zu einem recht augenzwinkerndem Western-Intro betritt schließlich Ihsahn mit seinen Musikern die Bühne und stellt dem Publikum gleich die ersten drei Stücke des neuen Albums Amr live vor. Dabei scheint die spezielle Kreativität Ihsahns erstmals in seiner Karriere als Solokünstler den Funken vom Studio zu seinen Live-Shows überspringen zu lassen. Ähnlich wie sein letztes Studiowerk eine Abkehr vom ausufernden und hymnischen Material des Vorgängers Arktis war, wurde auch das Set-Up der Live-Band reduzierter. Besonders durch die Abwesenheit eines Basses, welcher im Frequenzbereich durch die tiefen Register der häufig genutzten achtseitigen Gitarren und die sehr variabel eingesetzten Keyboard- und Synthesizer-Sounds überraschend gut ersetzt wurde, ergab sich ein frisches und verblüffend klares Klangbild, welches besonders für Metal-Shows vor kleinerer Clubkulisse absolut unüblich ist. Die abwechslungsreiche Setlist bot dabei elektronisch angehauchte Stücke wie das experimentelle „Pulse“ oder ältere, rein Riff-orientierte Werke wie „Frozen Lakes on Mars“ in diesem neuen Soundgewandt. Volle 90 Minuten lang bespielte der Altmeister mit seinen jungen und spielfreudigen Musikern das Luxor (Good job, Drummer!) und legt auf dieser kleinen Tour mit Sicherheit einen Grundstein für gesteigertes Interesse an dieser Art extremen und experimentellen Metal live zu erleben.

Text: Cassian
Bilder: Lyra Nanerendij

Info:
Ihsahn
Ne Obliviscaris
Astrosaur