Steven Wilson live in Bochum

Steven Wilson

(16.02.2019, Bochum, RuhrCongress) No-Man, Porcupine Tree, Blackfield und nun eine Solokarriere. Der englische, nicht mehr wirklich in Genregrenzen zu fassende Multiinstrumentalist Steven Wilson hat sich mit seinem letzten Album To the Bone durch die Tode von Prince und David Bowie inspirieren lassen und sich endlich ins Mileu der klassichen Pop-Musik der 70er und 80er gewagt, mit dem er schon lange in Nebenprojekten und einzelnen Songs geflirtet hat.

Im zweiten Abschnitt seiner Welttournee durfte nun ein nahezu ausverkauftes Haus in Bochum seiner knapp dreistündigen Show beiwohnen, die dem erwachsenen Publikum gerecht natürlich mit Pause zwischen den Set-Hälften performt wurde. Im Gegensatz zu den Auftritten in Essen im vergangenen Jahr wurde ohne Abwarten eines kleinen Support-Acts mit dem faszinierend produzierten Intro begonnen, welches auf einen durchsichtigen Vorhang vor der Bühne projiziert in die Thematik rund um die verschieden gefühlten Wahrheiten in der sozialmedial gewandelten Welt des 21. Jahrhunderts eintauchen ließ.

Der erste Konzertabschnitt bestand aus hauptsächlich neuen Songs des aktuellen Albums, die in Teilen die etwas angegriffene Stimme Wilsons sehr in den Vordergund rückten, was beim insgesamt 138. Auftritt der Tour jedoch zu verschmerzen war. Die Performance der gesamten Band war entsprechend routiniert und die Mühen einer langen Tour wurden durch typisch britische Ironie überspielt, indem etwa einige der Musiker versuchten über das Konzert hinweg mit unrhythmischem Klatschen an bestimmten Stellen Tour-Drummer Craig Blundell zu irritieren, da man sich bei Auftritten in Japan über das teils diffus-unsynchrone Mitmachen des Publikums erfreute.

Insgesamt entfaltete das neue Songmaterial im Live-Auftritt durch Fokus auf eine simplere, aber effektive Gitarrenarbeit auf Basis einer wenig verstärkten Telecaster einen andren Druck als die Studioaufnahmen, auffallend besonders bei Songs wie The Same Asylum As Before oder People Who Eat Darkness. 

Zum Abschluss durfte sich das Publikum in der Zugabe über zwei kleine, akustisch dargebotene Überraschung freuen. Blackfield, der Titletrack des gleichnamigen Nebenprojekts und Porcupine Trees Sentimental rundeten vor dem obligatorischen Abschluss durch The Raven That Refused to Sing den Abend im Kontrast zum hauptsählich neuen Material gelungen ab.

 

Info:
Steven Wilson

Text: Cassian Ferrum

Bilder: Lyra Nanerendij