Katatonia live in Köln

Katatonia

(21.05.2019, Köln, Live Music Hall) Voreilige “Farewell-Tour”, zusätzliche Abschiedskonzerte und Hinweise auf die vermeintlich letzten Konzerte in der Stadt, im Lande und im Zweifel auf dem jeweiligen Kontinent. Die Reunion folgt selbstverständlich und zuverlässig nach wenigen Anstandsjahren. Der finanzielle Druck der nahenden „Studio zu Spotify“ Epoche in der modernen Musiklandschaft hat klassischen Bands praktisch nur noch Tourneen als eigenständige Einnahmequellen gelassen, Almosen von Streaming-Diensten sollen nicht der Rede wert sein.

In dieser Welt hat die Band Katatonia, welche seither die musikalische Partnerschaft von Sänger Jonas Renske und Gitarrist Ander Nyström ist, schon früh versucht einen eigenen Weg zu finden. Sei es das Crowdfunding eines Akustikalbums, welches das Hauslabel nicht finanzieren wollte oder die nicht künstlich in die Länge gezogenen Touren, auf welche verlässlich ein Album-Release folgte, der eine spannende künstlerische Entwicklung darstellte. Als jedoch nach dem umfangreichen wie Abwechslungsreichen Album „The Fall of Hearts“ mit anschließender Welt-Tournee erstmalig seit langem die kreative Energie ausblieb, verabschiedete sich die Band ohne langen Klagegesang in eine stille Pause.

Diese endete nun mit einer überraschend kurzfristig angekündigten Jubiläums-Tour zum “Night is the New Day” Album-Release vor zehn Jahren, auf welcher man das gesamte Album live erleben darf, wie es die Band bereits für die drei Vorgänger-Platten getan hat. Häufig gespielte Klassiker wie “Day and then the Shade” und “Forsaker” sind daher wenig überraschend gekonnt vorgetragen, wogegen die atmosphärischen Stücke “Inheritance” und “Departer” selten bis nie während vorangegangener Tourneen gehört werden durften. Zusätzlich scheint sich mit den aktuellen Musikern um das Band-definierende Duo herum eine stabileres Gefüge als im letzten Jahrzehnt üblich gebildet zu haben, wo besonders der talentierte Gitarrist Roger Öjersson mehr Freiheiten genießt als frühere Bandmitglieder und mit eigenen Soli frische Akzente setzen kann.

Nach dem Jubiläumsalbum und einigen Pflicht-Hits wie “July” konnten sich Zuhörer noch über eine kleine Besonderheit in Form des Judas Priest Covers “Night comes Down” freuen, welcher eigentlich als B-Seite des letzen Studioalbums eingespielt, den Abend leicht augenzwinkernd beendete.

Unterstützt wurden Katatonia von den Support-Acts Wheel und Cellar Darling.

Text: Cassian