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27.02.2010

THE MIGHTY STEF: 100 Midnights

THE MIGHTY STEF: 100 Midnights

(Tonetoaster) Wieder hören macht Freude. Es ist noch gar nicht lange her, da erschien der irische Tausendsassa Stefan Murphy mit dem großartigen „The Sins of Sainte Catherine“ auf der Bildfläche und brachte den Gossenblues eines Tom Waits mit dem Rotz der Libertines und dem Gospel Bariton eines Nick Cave zusammen. Es ist schön, dass man den Nachfolger „100 Midnights“ in nicht all zu großem Zeitabstand zu hören bekommt, da dadurch Veränderungen besonders augenfällig werden. Diese sind deutlich vorhanden und fallen sämtlich positiv zu Murphys Gunsten aus. Trennte der mächtige Stefan seine verschiedenen stilistischen Ausprägungen auf dem Vorgänger noch meist recht säuberlich durch Songgrenzen, ist dieses auf seinem Zweitling nicht mehr der Fall. Dies führt zu faszinierenden Stilgemengen. In der Late Night Hymne „Downtown“ merkt man, dass die Ramones und Pulp durchaus einiges gemeinsam hatten und „Safe at Home“ lässt einen darüber sinnieren, ob es sich wohl genauso angehört hätte, wenn die Smiths einen Black Rebel Motorcycle Club eröffnet hätten. Dieses ganze name dropping sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass durch das gekonnte Referenzvermischen ein schillerndes, eigenständiges Glanzstück entstanden ist. Schlüssel dazu ist, dass Murphy Blues und Soul eimerweise in sich reingespachtelt hat, so erinnert manches zwar an bereits Existierendes, nie jedoch bekommt man den Eindruck einer Nummern-Revue. Viel zu viel Herzblut steckt beispielsweise im winterlichen „Kings of New York“. Was weiterhin positiv an „100 Midnights“ auffällt, ist die Tatsache, dass sich Murphy traut, seinen Songs eine großzügige Dramaturgie zu verpassen, die manches Mal auf Formatradiolänge pfeift. Und bei allem Eklektizismus ist es eine zu honorierende künstlerische Fähigkeit, Songs an der passenden Stelle schlank zu halten, „Come over to the Darkside“ ist dann auch nur ein einfacher Gospel, der träge über der vernebelten Wasseroberfläche schwebt. Das einzige, was mitunter stört, sind die doch recht ausgenudelt wirkenden Balkananklänge, beispielsweise im Titeltrack. Witzigerweise waren das noch Highlights auf dem Vorgängeralbum, nur werden diese auf „100 Midnights“ links und rechts von den Neuentwicklungen im Songwriting spielerisch überholt. Wie gesagt, wieder hören macht Freude, besonders, wenn es dieses Mal noch um so vieles schöner ist, als beim letzten Mal.

Info: www.myspace.com/themightystefband

(Martin Makolies)


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