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06.08.2010

ARCADE FIRE: The Suburbs

ARCADE FIRE: The Suburbs

(City Slang) Hier ist es nun also, das wahrscheinlich meist erwartete Album dieses Kalenderjahres, von der Band, die den Indie der 00er Jahre in etwas Traumhaftes, Unwirkliches verwandelt hat. Zu dem Album wird ein jeder eine Meinung haben, zwischen dem größten Stück Musik ever und einer Band im totalen Sinkflug, die verschiedensten Menschen werden die verschiedensten Statements zu „The Suburbs“ ablassen, ergo: Arcade Fire haben es geschafft.

Was man sicherlich ohne großes Risiko behaupten darf, ist, dass man nach den ersten Hördurchgängen verwundert und irritiert zurückgelassen wird. Wo ist er hin, der Bombast, der Prunk, die Hymnen, die einem eine Ahnung vom Göttlichen gegeben haben. „The Suburbs“ ist nicht mehr Barock, kein hin und her zwischen Geburt und Tod, wo jede Sekunde die Entscheidende sein könnte. Vielmehr haben diese Songs, um im Bild zu bleiben, Renaissance hafte Züge. Klare Strukturen, einfacher Aufbau, einige, wenige Elemente, die fokussiert ausformuliert werden.

Dieses Album ist mitnichten der Konzeptoverkill, den man beim Hören der Eckdaten( Album zu einem mehr oder weniger geschlossenen Themenkreis, der Vorstadtjugend; 16 Songs) befürchten konnte. Nein, eine augenfällige Reduktion hat stattgefunden. Wo früher scheinbar die ganze Weltjugend in einem Song kraftvoll zusammen musiziert hat, bewegen sich die Elemente schlanker wie an einer festen Schnur entlang. Das führt eventuell bei oberflächlichem Hinhören zu dem Effekt der Langeweile oder Belanglosigkeit, zugegeben: mit einem Song wie „Ready to Start“ bringt man eine gute Freundin nicht mehr dazu, vor spontaner Rührung den Kochlöffel aus der Hand fallen zu lassen. Aber Arcade Fire scheinen sich sicher zu sein, dass man ihnen zuhören wird. Es braucht tatsächlich einige Tage und Wochen, bis man feststellt, dieses Album kann eine Menge, vielleicht sogar mehr als die mächtigen Vorgänger.

Da hört man „Modern Man“ relativ unbeteiligt bei allen möglichen Alltagssituationen, bis man merkt, dass man ohne diesen Song nicht mehr sein will. Der Punkt ist nämlich der: Die Thematik des beschaulichen Vorstadtlebens haben Arcade Fire auch musikalisch adäquat umgesetzt, ganz oder gar nicht, dabei aber fast unbemerkt ihre schönsten Melodien und Texte eingeflochten. Das zeigt nur, dass auch im Unauffälligen, auf den ersten Blick Banalen, das Großartige stecken kann. Und wenn dieser Erkenntnisschritt irgendwann gemacht ist, erscheint dieses Album als unerschöpflicher Quell unaufdringlicher Großtaten, die diesmal gar nicht die weit ausladende Geste benötigen, um zu gefallen. Besonders erfreulich, dass die vielleicht schönsten Beiträge dieses Albums, “Empty Room“ und „Half Light 1“, von Régine Chassagne gesungen werden, obwohl man sich bei „The Suburbs“ auf Favoriten nicht festlegen sollte, das ändert sich nämlich ständig, jeden Tag was neues in der Vorstadt.

Info: www.myspace.com/arcadefireofficial

(Martin Makolies)


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