
EARL GREYHOUND: Suspicious Package

(8The Organisation/Soulfood) Setzen wir an diese Stelle mal eine gewagte Prognose und werden ein wenig marktschreierisch. Also, wenn wir uns in einem Jahr an dieser Stelle wieder sprechen, werden Earl Greyhound eine richtig große Nummer sein, im Radio laufen und MTV wird so einen All Eyes on-Clip abgedreht haben. Auf der anderen Seite ist diese Prognose gar nicht so gewagt.
Earl Greyhound aus New York sind kein verdächtiges, sondern ein perfektes Paket. Allein optisch schon, diese drei Menschen würde man niemals in einer Band zusammen erwarten. Kamera Thomas, die Sphinx mit dem 70er Überafro, Matt Whyte, der schlicht und ganz Hippie und dann noch Ricc Sheridan, ein richtiger Big Daddy an den Drums. Aber viel entscheidender ist, dass Earl Greyhound niemals etwas anderes im Sinn haben, als Songs zu schreiben, die die Erde aufgrund ihrer Brillanz und Genialität zum Beben bringt. Songs als Bewerbungsschreiben für die Rock and Roll Hall of Fame. Richtig gehend beängstigend, dass diese Band bereits auf ihrem zweiten Album diesem Ziel ganz schön nah auf der Spur ist.
Earl Greyhound lassen sich nicht so einfach mit ein, zwei Stichworten irgendwo einordnen, die Zutaten kommen aus allen möglichen Himmelsrichtungen. Natürlich ist da zunächst dieser auffällige Punch, den man in dieser Brachialität von Led Zeppelin kennt. Aber wie möchte man bitte schön das Opener Duo „Eyes of Cassandra/Part 1&2“ einordnen? Dort zieht über einem gemütlich, süffigen Orgel Bett mit Samba Interlude eine gefährlich dräuende Gewitterwolke auf, und Kamera hört sich an, als hätte sich Sade Unterstützung von einer vernebelten Prog-Band geholt. In „Ghost and the Witness“ entwickelt sich aus einer angerauten Spoken Word Meditation ein Riffmonster mit Sprungfeder und es wirkt dabei so ungezwungen, dass man sich fragt, ob dieser Song nicht einfach so auf die Welt gekommen ist. „Shotgun“ wider rum watet knietief durch den Grunge, dabei bietet Kamera eine Wortakrobatik auf, die man von neueren Reggae Stücken kennt. Kurios, ich weiß, aber es passt. Aber auch das hymnische, eher klassische Stück „Bill Evans“ passt mit seinem Queen-Piano ohne Probleme in diese Zusammenstellung aus positivem Gigantismus. Aus allen möglichen Bestandteilen setzt sich ein erstaunlich homogenes Ganzes zusammen, ohne das irgendetwas beliebig wirken würde. Eine schleppende Folkmelancholie, gerade zurück aus dem Weltraumurlaub, wie „Out of Air“ ist so etwas wie das ergänzende Gegenstück zum Mauern einreißenden Call and Response Spiel „Sea of Japan“. Es knallt und knistert an allen Ecken, eine Band, die verblüffen will und dabei Herzen gewinnt. Keine Angeber, Genies!
Info: www.myspace.com/earlgreyhound
(Martin Makolies)








