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11.08.2010

HOW TO LOOT BRAZIL: Betamarx

HOW TO LOOT BRAZIL: Betamarx

(Kostenloser Download) „Betamarx“ ist alles. Die Menschen von How to Loot Brazil aus Westfalen geben in loser Form einen fast schon archivarischen Einblick in das, was so die letzten, sagen wir, 35 Jahre im alternativen und kommerziellen Pop von Bedeutung war. Die Einstellung ist Punk, alles kann, aber bitte nicht zu gekonnt. Barfuss im „Congo“ rumlaufen, die Band warnt ausdrücklich davor, ist genauso gefährlich wie ein „Holiday in Cambodia“, New Wave ist Punk, ist Eurodance.

In den äußerst tanzbaren, ja schon banalen Rhythmusfiguren, winken die Atzen und Frittenbude dümmlich grinsend von der versifften AZ-Toilette, „Au Revoir le monde“ geht gerne noch 25 Jahre weiter zurück, der Beverly Hills Cop wird ins Weltall geschossen und es macht ob seines wissenden Charmes gehörig Spaß. In solchen Songs, „This Is Progress“ ist noch so einer, kommt ein feines Gespür für elegante Melodien zum Tragen, welches „Betamarx“ davor bewahrt, ein reines Hippster Cluster zu werden. Diese ironisch distanzierte Art der Partymusik wusste man schon bei den frühen Alben der Robocop Kraus zu schätzen, How To Loot Brazil machen sich zwar merklich ein wenig lustig über das simple Geschunkel in „Applause For The Quitters“, wissen aber auch: das knallt total. „Swollen Head“ wirkt da ein wenig wie die panische Selbstvergewisserung, dass die Band aus Bereichen wie Punk und Hardcore kommt. Ok, das klappt noch, weiter mit dem bewusst tumben „Lucky Boy“, welches zeigt, dass man die Muckibude auch mit Beats von Sin With Sebastian befeuern könnte. Dieser Song oder das ähnlich gelagerte „Simple Disko Musik“ sind dabei nur vordergründig Kritik an verblödeten Stiernacken oder Lip Gloss getränkter Club Schlampen. Die Parolen sind derart oberflächlich und plakativ gehalten, dass sie eher wie Karikaturen von „Ich bin dagegen“ Songs sind, also eher eine Watschen für die zwanghaft Unangepassten. Aus solchen Überlegungen zieht sich, abseits von der mitreißenden Musik selbst, der Spaß an „Betamarx“. Das einzige Risiko, welches bei diesem Album besteht, ist, dass es aufgrund seiner stilistischen Üppigkeit sich im Ganzen auf null zurücksetzt, die Summe aller Teile ein vermatschtes Ganzes ergeben. Deshalb ruhig in kleinen Dosen genießen, ist schon sehr erhellend, das Ganze. Und das Beste: „Betamarx“ gibt’s für umme unter folgender Adresse:

Info: www.myspace.com/howtolootbrazil

(Martin Makolies)


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