ALPHABET BACKWARDS: Little Victories

ALPHABET-BACKWARDS

(Highline Records/Rough Trade) Hier mal ein paar Eigenschaften, die man der englischen Band Alphabet Backwards zuordnen kann: niedlich, harmonisch, beschaulich, gemütlich. Und hier ein paar Attribute, die nicht zu der Band aus Oxford passen: substantiell, spannend, wagemutig. Besonders aufregend ist dieser Ich hab dich lieb-Pop sicherlich nicht, wirkt aber mit seiner ungekünstelten Freundlichkeit sehr zutraulich. Leider musizieren Alphabet Backwards doch sehr in gesicherten Gewässern, jeglicher Wagemut geht dieser Band ab. Dabei kommen Songs mit lauwarmen Klangbildern heraus, die keinem weh tun und am liebsten mit jedem friedlich spielen würden. Die Themen, die hier verhandelt werden, sind altbekannt, Liebe, Herzschmerz, Freundschaft, quasi die sicheren Bänke des Popvokabulars. Ähnlich vorhersehbar sind die Kompositionen selber, da wird in „Sunday Best“ eine beschwingte Akustikgitarre über einen flotten Rhythmus gelegt, die Streicher marmorieren das Klangbild ein wenig und schon ist der Musik gewordene Spaziergang durch einen sonnigen Herbst fertig. Auch „Pockets“ fängt ähnlich an, wobei Alphabet Backwards hier den kompositorischen Kniff verwenden, zur Strophe die Instrumentierung runter zu fahren, nur damit sie zum Refrain umso vollmundiger loslegen kann. Niedlich sind diese Songs, ganz besonders das versonnen beschwingte „Ladybird“, das einen wehmütigen Gruß an die Vermisste schickt und dabei gleich noch ein paar Wolken zur Seite schiebt. Wenn dieses Album auch keine bahnbrechenden Innovationen bietet, muss man dennoch das geschmackvoll eingesetzte Keyboardspiel erwähnen, von Honkey Tonk Piano bis zur Kirchenorgel geht hier einiges und das Instrument sorgt phasenweise dafür, dass die Songs nicht noch mehr in der Bedeutungslosigkeit untergehen. Da fabuliert in „Panda Eyes“ zum Beispiel eine mitteilsame Kirmesorgel munter vor sich hin und gibt dem Song einen witzigen Anstrich. Alphabet Backwards ist eine dieser Bands, die zwar im Indiebereich gestartet sind aber alle Eigenschaften besitzen um schnell vom Mainstream adoptiert zu werden, so eingängig sind die Melodien, so kundenfreundlich die Kompositionen. Und so ist diese Musik auch eher für den oberflächlichen Gebrauch geeignet, wenn man tiefer gehen wollte, würde man nicht viel finden. Diese Nummern klimpern und plingern genügsam vor sich hin, packen nirgendwo richtig fest zu, so dass hier viel Luft zum atmen bleibt. Auf der anderen Seite fehlt es diesen Songs aber merklich an Substanz, eine künstlerische Handschrift, deren Charakteristik den Stücken ihren Stempel aufdrücken könnte, ist nicht vorhanden. Halten wir fest, dass „Little Victories“ durchaus  nett und sympathisch daherkommt aber dahinter auch eine um sich greifende Belanglosigkeit versteckt, die dieses Album ein wenig blass und uninspiriert erscheinen lässt. Bei dieser Platte funktionieren vor allem Einzelheiten, wie der Wechselgesang von James Hitchman und Stephanie Ward oder die gelungenen Keyboardeinsätze, die Songs in ihrer Gesamtheit sind jedoch zu blass und sagen nicht besonders viel aus.

Info: www.facebook.com/alphabackwards‎

(Martin Makolies)