ARLISS NANCY: Wild American Runners

ARLISS NANCY

(Gunner Records/ Broken Silence) Der gute Bruce Springsteen ist glücklicherweise noch quicklebendig, seit einigen Jahren ist aber ein munterer Wettstreit um sein künstlerisches Erbe entbrannt, eine Führungsposition nehmen da sicherlich die unvermeidbaren Gaslight Anthem ein, doch damit hat es sich noch lange nicht. Ein wenig humorvoller gehen The Hold Steady mit der Erbmasse um und auch Against Me! reden  noch ein Wörtchen mit. Frisch beim Notar eingetroffen sind jetzt Arliss Nancy, die mit ihrem zweiten Album recht unmissverständlich Ansprüche anmelden. Die Geographie ist zwar leicht verschoben, man verortet die Jungs eher im mittleren Westen als an der Ostküste aber auch dort gibt es abrissreife Arbeiterbruchbuden, in denen der einfache Mann mit Kind  und Kegel haust. Dort steht der Bourbon neben dem Brotschneidebrett, immer griffbereit, und im Schrank aus billigem Sperrholz hängen die Karohemden. Das sind triste Settings ohne Glanz und Glamour und dieser Welt haben Arliss Nancy ein Album vermacht, mit den ganz alltäglichen Problemen, verpackt in bewusst effektarmer Musik. Das Prinzip ist da ganz einfach: Gitarre, Klavier, alles, was man so in einer runtergekommenen Kneipe auf der improvisierten Bühne finden kann und dazu ein Rhythmus, der sich im Mid-Tempobereich gut auskennt und da auch gar nichts Neues probieren möchte. Die Inhalte sind schlicht aber durchaus nicht dumm, Arliss Nancy erzählen zwar nicht Neues, mit den rauen, eindringlichen Stimmen der Sänger Kyle Oppold und Cory Call erhalten die Songs jedoch eine eindringliche Schwere und Wahrhaftigkeit, dabei nimmt man den beiden sogar die Klischees ab, „I love the way the whiskey burns inside of me/ I love the way it helps me forget/ what you and I could have been“, ja das ist irgendwie abgedroschen, aus diesen Mündern kommt es aber wie tief empfundene Seelenpein. Einzelne Songs zu nennen ist da fast müßig, es ragt nichts wirklich heraus oder überrascht, das ist schon sehr Middle Of The Road aber es berührt dann doch irgendwie, einfach aber ehrlich. Und ein Song wie „Troubadour“ vereinigt dann doch sehr schlüssig den aufgestauten Leidensdruck mit der unerfüllten Sehnsucht nach Weite und Freiheit, „mama/ I´m still hungry“.  Ein bisschen weniger Tristesse verbreitet  „Directions Never Hold“, die Klangfarben sind etwas heller, wobei der Schorf auf der Gesangsstimme den absoluten Sturm gen Himmel pflichtschuldig verhindert. Es ist dann auch ein kleines Kunststück, einen Song emotional eindringlich zu gestalten, ohne sich den großen Gesten und Ausbrüchen hinzugeben, so geschehen im bescheidenen aber berührenden „Coals“. Dieser Band nimmt man die harte Arbeit ab, das nackenschlägige Leben ohne große Belohnung und das alles fließt dann in diese unaufgeregten aber tief empfundenen Songs ein. Schön übrigens, wie sich Arliss Nancy im abschließenden „Vonnegut“  eine Portion Folk gönnen, das steht ihnen gut und wäre eine Option für ein wenig mehr Varianz in der Zukunft, „Wild American Runners“ ist aber auch so eine schöne Fallstudie eines John Everybodys mit jeder Menge unaufgeregter Romantik.

Info: www.facebook.com/pages/Arliss-Nancy/326784819312

(Martin Makolies)