CROCODILES: Crimes Of Passion

CROCODILES
(Zoo/Cargo) Das vierte Album der Band Crocodiles ist eines der Ismen. Textlich geht es durchaus ins Extrem, Satanismus (die ganzen schönen Friedhöfe), Hedonismus (ziemlich viel davon) und Sadismus (auch das noch!) prägen dieses Album zumindest grob. Da verwundert es schon ein bisschen, dass die Band um Charles Rowell und Brandon Welchez musikalisch doch eher das Gediegene bevorzugt, Grenzerfahrungen macht man mit „Crimes Of Passion“ eher weniger, man hat es doch mit relativ geregeltem, an den Rändern gerne auch mal ein wenig noisigem Indierock zu tun, der seine 60er Jahre- Melodik gerne unter Narkose setzt. Diese Platte möchte gerne auf dem Friedhof Unheil verbreiten, landet aber ziemlich oft am leergeräumten Strand, wo man die Lederjacken dann doch gegen die Badehose eintauscht. Dort befinden sich auch Anteile von Wehmut und angeödeter Coolness, die sich zu einem schnoddrig-melancholischen Gebräu verbinden. Der Opener „I Like It In The Dark“ klaut sich von „Screamadelica“ das Piano, und lässt seinen angeätzten Gesang ein wenig rumstromern, die Gitarre schrubbt genüsslich über den Rhythmus und besagter Hedonismus drückt sich hier folgendermaßen aus: „storm the gates of heaven/ and be your own god“, Bescheidenheit? Nope! „Marquis De Sade“ besitzt einen verhältnismäßig knackigen Rhythmus, wird aber vom sedierten Gesang ausgekontert. Das Setting ist leicht bewölkt, kennt aber, obwohl es der Song niemals zugeben würde, auch die Freuden lauer Sommernächte, gefährlich ist das nicht wirklich aber schön einlullend. Die wohlige Lethargie wird dann von einer krachigen Gitarre kurzzeitig aufgeschreckt, die ein wenig am seidenmatten Lack kratzt, The Jesus And Mary Chain konnten so was auch immer ganz gut.  Man merkt hier bereits recht deutlich, dass Crocodiles nicht diejenigen sind, die auf explosionsartige Momente zusteuern, ihr Ding ist mehr der gut abgehangene Fluss, der die Hysterie nur am Rande streift. Da passt es auch, dass „Heavy Metal Clouds“ den Sommer der gelähmten Herzen ausruft, voll von der Melancholie unglücklich verliebter Teenager, die nur durch den mitreißendenden Refrain aus ihrer Trübseligkeit kurzzeitig befreit werden. „Teardrop Guitar“ startet ganz ungewohnt überfallmäßig, macht den zweiten vor dem ersten Schritt, wird aber erfolgreich vom blasierten Gesang eingefangen, wodurch das Fieber merklich zurückgeht, die Gitarren dürfen zwar ein wenig an den Melodien rumsägen, richtiger Wagemut geht aber trotzdem anders. Nach der Hälfte des Albums fragt man sich schon, wie man das finden soll, ist das nett verpackte Langeweile? Oder doch eher extracooles Rumgemache mit Melodien, denen man die Charakteristik des Beiläufigen verpasst hat? Die Antwort bleibt da offen, doch muss man schon zugeben, dass diese Songs ein gewisses Ohrwurmpotential haben, ohne sich sonderlich darum zu bemühen. Und manchmal berührt dann ein Song sogar auf der emotionalen Ebene, „She Splits Me Up“ zeigt, dass hinter der Sonnenbrille große, treuherzige Augen versteckt sind und „Me And My Machine Gun“ sitzt einsam an den Gestaden des Herbstes, die Landschaften streifen in Sepia-Tönen vorbei und der Gesang entblättert sich von kurzschlüssiger Mentalität, badet in monotoner Melancholie, als wäre dies ein erstrebenswerter Zustand. Und da gehört diese Platte auch irgendwie hin, „Virgin“ gefällt sich als harmloser Rock And Roll mit gefälliger Melodik und das abschließende „Un Chant D´Amour“ stolpert mit Herzschlag-Percussions in die Arme eines anonymen Trösters, der Gesang hat jeden Aufruhr aufgegeben und liegt flach auf dem Rücken um den Wolkenspielen zuzusehen, und man hat das Gefühl, den matten Abglanz einer enttäuschten Petticoat-Romanze beizuwohnen, alles ein wenig harmlos, alles aber auch von einer unaufgeregten Schönheit, die sich im stetigen Fluss wiederholt. Angst und Schrecken werden Crocodiles jedoch damit nicht verbreiten, wollen sie wahrscheinlich auch gar nicht, höchstens ein wenig an den Nervenenden kitzeln.
(Martin Makolies)