GUZ: Der Beste Freund Des Menschen

GUZ

(Rookie Records/ Cargo) Wie unangestrengt sich ein zutiefst abwechslungsreiches Album anhören kann, zeigt Aeronauten-Frontmann Guz mit seiner Platte “Der Beste Freund Des Menschen”. Hier fließt vieles zusammen, elektrifizierte Rockmusik, Blues, Kammerfolk, ja sogar vor Dixieland macht der gute Guz nicht halt. Dabei wirkt das musikalische Schaffen dieser Aufnahme niemals verkrampft oder bemüht, die Stücke geben sich unaufgeregt und lässig, als wären sie Guz einfach so zugeflogen. Mit „General Guz Befreit Pyongyang“ spendiert sich der Maestro erst mal eine eigene, kleine Nationalhymne, die unaufgeregt zwischen den Scores von Bonanza und Jackass vermittelt, ein feiner, stimmungsvoller Auftakt mit hocherfreuten Bläsern und einer gutaufgelegten Wandergitarre.  „Sommer 1984“ gefällt sich dann in der Romantisierung der spröden Dinge, es geht um unerfüllte Liebe und die kleinen Details, die erst das Bild der Vergangenheit abrunden, „Senf auf der schwarzen Jacke/ hier kommt der Staatsfeind“. Dazu schrammelt die Gitarre neben den verödeten Bahngleisen und das Klimperklavier spendiert auch noch ein paar verträumte Töne. Vielleicht sollte sich Thees Uhlmann mal solche Songs anhören,  bevor er sein nächstes Album aufnimmt. Aber das kann Guz ja herzlich egal sein, er macht einfach sein Ding und das sehr gut. Nächste Haltestelle: räudiger Bluesrock, abgewrackt und dreckig. „Neid“ gönnt den strahlenden Erfolgsmenschen nicht die Sonne vorm Fenster, das geregelte Leben als Zielscheibe für frei heraus geäußerte Missgunst. Der Song stampft missmutig durch die runtergekommene Sozialwohnung, Guz schießt seinen Groll lässig aus der Hüfte, haut die Nummer einfach raus, da musste sich einer aber mal kräftig Luft machen. Unheimlich sanft und geschmackvoll ist dann „Morgen Gehörte Uns“ ausgefallen, mit weiblicher Zweitstimme ausgerüstet wirkt der Gesang im Refrain wie durch einen Vorhang gefiltertes Sonnenlicht. Der Song schlendert unbedarft und wehmütig dahin und verliert dabei die Hoffnungen an die Zukunft, bis schließlich handtuchweiche Trostlosigkeit um sich greift, dennoch, auch in diesem Stück schlägt ein unermüdliches Herz. Dieses fühlt sich in dem Spießerkaff „Hassloch“ aber merklich fremd. Es regnet und Wolken ziehen auf in diesem Paradies des Geregelten und selbst der Besuch beim ortsansässigen Freund führt zu nichts, „mein Freund sagt/ du bist so zerzaust/ du siehst so müde und wütend aus“, ja, Danke auch dafür. Da wendet man sich lieber dem Stück „Anpumpen“ zu, hier feiert das Schmarotzertum ein eigenes „Hey Jude“ inklusive beseeltem Chor der Mitarbeiter der örtlichen Agentur für Arbeit, edel tröpfelnde Streicher runden das festliche Bild ab und man singt euphorisch mit: „Wir werden immer jemand finden/ den wir anpumpen können“, dazu kommt die Sonne raus, die in „Hassloch“ noch verloren gegangen ist, alles wieder gut. Und was stellt man an einem so schönen Tag an? Vielleicht „Drogen Nehmen Und Rumfahren“, wie Guz vorschlägt, dazu spielt die Gitarre selbstgenügsam, man muss es manchmal einfach laufen lassen. Davon können die Außerirdischen nur träumen, die sich uns in „Beobachten Und Auswerten“ vorstellen, die haben nämlich einen festen, unglaublich öden Job: die Erde beobachten, genauer, dich beobachten und das ist scheinbar scheiß langweilig, „300 Lichtjahre unterwegs/ um dir zuzusehen“. Da ist es schön, dass die dazugehörige Musik wenigstens spannend ist, diese vermittelt nämlich tänzerisch zwischen dem Orient und Lateinamerika. „Der Beste Freund Des Menschen“ klingt dann mit „Stilles Haus“ gespenstisch aus, der Gesang schwebt wie schwerer Nebel durch die schlafende Nachbarschaft und verflüchtigt sich mit unbestimmtem Zweck in Richtung Wald und Wiese. Damit wird das Album zur Ruhe gebettet, nach dem es in seinem Verlauf an sehr viele Türen angeklopft hat. Unheimlich kurzweilig ist dieses Album, dennoch konzentriert, hier wird jede kompositorische Idee gewissenhaft verfolgt, ohne dass dabei die Leichtigkeit verloren ginge. Die Songs sind abwechslungsreich aber niemals beliebig und es gibt zahlreiche Stellen, die sich nachhaltig einbrennen und Spuren hinterlassen, hier stehen Ambition und Lässigkeit in aller Freundschaft nebeneinander.

Info: www.facebook.com/Guzmusik

(Martin Makolies)