LISTENER: Time Is A Machine

LISTENER

(Tangled Talk Records/ Al!ve) Es ist immer gut, wenn eine Band etwas Genuines vorweisen kann, siehe zum Beispiel die Gruppe Listener. Diese verzichten auf konventionellen Gesang und haben stattdessen den Platz frei gemacht für die Spoken Word-Attacken ihres Frontmannes Dan Smith. Listener startete als ein Ein Mann-Hip Hop Projekt, doch inzwischen ist man zu dritt und die musikalische Ausrichtung macht es sich bequem zwischen Americana, Noise Rock und Post Rock. Dazu gibt es dann die geifernden, zerrissenen stimmlichen Vorträge von Smith und auf diese Weise wird eine ganz eigene Intensität erreicht. „Eyes To The Ground For Change“ startet zu Beginn mit einem Western-Furor, der es in sich hat, man wird in diese fanfarische Stampede förmlich eingesogen und der engagierte Sprechgesang zieht den Spannungsstrick  noch enger, hier geht eine Band aufs emotionale Ganze. Und das ändert sich während des gesamten Albums auch nicht mehr wirklich, obgleich es immer wieder Ruhephasen und Orte der spannungsvollen Stille gibt. Doch zumindest der Vortrag von Smith ist meist am oberen Anschlag, er hadert und grantelt, wirkt zerrissen, „sometimes I feel/ like I got a tornado inside of me“. Der dazugehörige Song positioniert sich zwischen An- und Entspannung, wobei die Drums wie so häufig die Rolle als Führungselement einnehmen. Es entsteht dabei ein Stück, das durchaus seine dunklen Anwandlungen hat aber immer auch etwas feierlich Erhabenes in sich trägt. Den Weg von einer erschöpften, nach großer Anstrengung eingetretenen Ruhe hin zum breit aufgestellten Rocksong geht „Not Today“, es zeigt sich an dieser Stelle, dass Listener niemals die Stille als letztes Wort gelten lassen, der Noise Rock bekommt hier einen mächtigen Auftritt, der diesen Song ein wenig in den Schmutz zieht. Trotz der latenten Unzufriedenheit, die in den Songs herrscht, sind Hoffnung und Zuversicht keine völligen Fremdwörter für Smith, in „Everything Sleeps“ heißt es „even darkness has to sleep“, Post Rock-Elemente positionieren den Song zunächst in der Weite einer leergeträumten Nacht, doch auch hier branden Rockismen auf, die dem Song etwas Zudringliches verleihen, ein wenig Schroffheit und Brachialität zwischen filigranen Strukturen. In „There Are Wrecking Balls Inside Us“ spielt eine wohl behütete Trompete eine anrührende Melodie und auch Smith passt sich zunächst dem ruhigen Setting an, doch auch dieser Song geht den Weg der Aufstachelung, epische Gitarren öffnen den Raum und der Frontmann von Listener legt Zudringlichkeit in seinen Vortrag, wieder mal kämpft er für das Gute, für positive Überzeugungen, „I am not alone/ and you are not alone“ und weiter: „it´s ok to be scared sometimes/ and brave sometimes/ and fail sometimes”. Auch der Abschluss des Albums übt sich in textlicher Zuversicht, „there´s a plan/ there´s a way out“, es verwundert da nur ein wenig, dass die zugehörige musikalische Ausgestaltung derart trostlos und düster geraten ist, Sarkasmus, Zynismus? Man weiß es nicht genau, man weiß aber ziemlich sicher, dass man es hier mit einem ganz eigensinnigen, faszinierenden Album zu tun hat, das gängige musikalische Konzepte teilweise aushebelt und gerne auch mal irritiert. Jemand, der ein ganz klassisches Rockalbum sucht, mag von dieser Platte überfordert oder schlicht nicht angesprochen werden, sie entfaltet aber einen ganz eigenen Reiz durch ihre emotionale Zerrissenheit, die sich im Sprechgesang von Dan Smith faszinierend ausformuliert.

Info: www.facebook.com/listener

(Martin Makolies)