MAGIC ARM: Images Rolling

MAGIC ARM

(Peacefrog) Marc Rigelsford alias Magic Arm ist einer jener Künstler, die sich einer hohen Wertschätzung im Kollegenkreis erfreuen dürfen, da sagt zum Beispiel Ed Droste von Grizzly Bear:“Magic Arm makes incredible music. I dare you to tell me it sucks“ und Samuel Beam hält ihn für „the master of the loop pedal“.  So viel Lob macht natürlich neugierig und es stimmt, “Images Rolling” ist traumwandlerischer Pop der höchsten Kategorie. Übrigens hatte Rigelsford ein leer stehendes Haus als Aufnahmestudio zur Verfügung, vielleicht ist die Platte deshalb so luftig, wegen den ganzen Fenstern nach draußen zum Beispiel. „Put Your Collar Up“ hält sich da beispielsweise nicht lange mit Bodenständigem auf, sondern startet eine luftige Himmelskreuzfahrt, am Anfang dominieren noch elegische Streicher, doch wird der Song schnell vom zarten Schmelz in der Stimme Rigelsfords und umarmenden Bläsern in die Wolken entführt, maximal verträumter Pop für Luftikusse. Generell gibt es einige dominierende Elemente in der Musik von Magic Arm, als Basis dienen Klavier und die Akustische, Bläser und Streicher kleiden die Songs dann frühlingshaft oder herbstmäßig aus. In „Warning Sign“ dominiert ein psychedelisches Flimmern, die Gesangsstimme ist entkernt und der Refrain baut als Höhepunkt eine körperlose Klangwand mit Schlupflöchern auf, sehr entrückt und irgendwie unwirklich.  Im Walzertakt begibt sich „Great Life“ auf Wanderschaft, dieser Song formuliert eine, wie es scheint, unerfüllbare Sehnsucht und ist auf abschüssiger Strecke in Richtung dunkler Gefilde unterwegs. Die Struktur ist zwar eher filigran, doch werden bombastische Widescreen-Streicher  in das feine Songgewebe eingearbeitet. Wie Rigelsford mit den einzelnen Elementen seiner Musik immer wieder virtuos umgeht, ist schon eine Schau, da wird in „Lanes“ ein einsames Klavier in Streichervorhänge eingewickelt und in „Is History“ darf eine Orgel als flamboyanter Innenausstatter des Stücks auftreten, der den Song in verführerisch tiefe Farbtöne eintauchen lässt. Doch der Mann aus Manchester kann es auch reduzierter, „Tonight I Walk“ startet als Folkminiatur und geht über zutrauliche Beats und ein tröpfelndes Klavier den Weg ins Innere, bis ein Blumenstrauß aus samtenen Streichern das Stück leicht erhöht. Rigelsford beherrscht meisterhaft die Balance zwischen Simplizität und Opulenz, die eingesetzten Mittel dienen niemals dem reinen Selbstzweck, jeder Ton ist Bedeutungsträger, jedes kompositorische Detail ist mit Bedacht gewählt. Damit kommt der Engländer zu einem Album, das auf der einen Seite unheimlich voll und detailliert  wirkt, auf der anderen Seite aber auch eine durchlässige Transparenz ausstrahlt, eine bedeutungsschwere Leichtigkeit sozusagen.

Info: www.magicarm.co.uk

(Martin Makolies)