NORTH MISSISSIPPI ALLSTARS: World Boogie Is Coming

NORTH MISSISSIPPI ALLSTARS

(Thirty Tigers/ Al!ve) Der Titel für das beste Blues-Rockalbum des Jahres geht, wenn nichts Unerwartetes mehr passiert, an die Gebrüder Dickinson aus Hernando, Mississippi. Bereits seit siebzehn Jahren stellen sie das Grundgerüst der North Mississippi Allstars. Dabei verpflichtet der gute Name, sind die beiden doch Sprösslinge des in Memphis geradezu als heilig verehrten Jim Dickinson. Was auf „World Boogie Is Coming“ geschieht, kann man als liebevolle Traditionspflege mit akzentuierter Neuinterpretation bezeichnen. Der Mississippi-Blues ist allgegenwärtig, nur rockt diese Platte auch noch amtlich dazu. Aus dem Traditional „Rolin´n Tumblin“ wird ein Industrial-Bluesstampfer, der auch noch darauf hinweist, wo Depeche Mode ihre kompositorischen Strukturen hernehmen, aus dem Blues nämlich. In „JR“ und „Goat Meat“ darf sich dann ein gewisser Robert Plant an der Mundharmonika seelenvoll auspowern, wobei sein Instrument in erstgenannten Stück sich wunderbar mit der knisternden Gitarre unterhält und nach lebhaften Dialog liegen sich dann beide Parteien in den Armen. „Goat Meat“ wiederum hat einen funky Groove und weiß mit seinen gesanglichen Stolpereinlagen wunderbar lässig zu unterhalten. Wunderbar sanft und rollin` ist „Meet Me In The City“ welches eine Klangfarbe wie sahniger Milchschaum  hat, wie elegant dieser Track durch den Sonntagnachmittag fließt, ist eine stimulierende Schau. Aus einer schrottigen Garage kommt dagegen schnurstracks der Rumpelrocker „Turn Up Satan“, dessen diabolischer Gehalt sich nicht mit dem Songtitel erschöpft, so was würde auch einem Jon Spencer gut gefallen. Seinen kreativen Höhepunkt findet diese Platte mit dem ineinander verwobenen Trio bestehend aus „Shimmy“, „My Babe“ und „Granny, Does Your Dog Bite“. Hier nimmt vor allem der weibliche Gastgesang unheimlich gefangen aber auch das instrumentale Rumstromern mit höflicher Dringlichkeit in „Shimmy“ sorgt für ausgelassene Lebensfreude. „Goin´To Brownsville“ ist dann wieder eine dieser wunderbar geölten Bluesmaschinen, die vor klassischer Erhabenheit erstrahlen und von einer ruralen Spielfreude künden, getoppt wird das nur noch vom disziplinierten aber ebenso lebendigen Jam in „Jumper On The Line“, im Original von RL Burnside. Die Dickinson Brüder wildern in einem Revier, welches sie in und auswendig kennen, in ihren Interpretationen lebt der Boogie, lebt der Blues, als seien dies Musikrichtungen, die gerade erst aus dem Ei geschlüpft wären.  So frisch und in Maßen innovationsfreudig war lange kein Album dieser Musikgattung mehr.

Info: www.nmallstars.com

(Martin Makolies)