THE LOW FREQUENCY IN STEREO: Pop Obskura

THE LOW FREQUENCY IN STEREO

(Long Branch/SPV) Space is the place heißt es mal wieder bei den umtriebigen Norwegern, auch auf ihrem neuen Album ist die kosmische Weite das angestrebte Ziel. Dabei haben TLFIS immer mehr den Pfad von Post- und Krautrock verlassen und sich mittlerweile doch sehr stark dem Pop genähert, obskur vielleicht, doch ganz klar Pop. Die musikalischen Orientierungspunkte liegen da ziemlich genau zwischen Weltraumrevue und dem London der Swinging Sixties und diese Mischung weiß zu überzeugen. „Elevated Desecrated“ beginnt standesgemäß mit stoischem Drumbeat und Orgel, geht gleich weit raus ins Weltall und wird von einer von der Gravität befreiten Stimme umfasst. Hanne Andersons Gesang agiert konzentriert aber sonderbar körperlos, es wird ein weites Panorama mit untergehenden Sonnen und Monden aufgezogen. „Colette( Subie, Subie) ist dann dank der Reißwolf-Gitarrenlicks deutlich körperlicher, der Song hat allgemein eine etwas rauere Körnung, doch auch hier gibt es zum lasziven Sechzigerbeat  ein flüssiges Säuseln im Gesang, der Schwerkraft wird federleicht mit jeder Menge Swing getrotzt, file under Retrofuturismus. Eine solche Verschmelzung finden wir dann noch eindeutiger bei „Cybernautic“, hier prallt das weite Universum mit seinen unzähligen Galaxien auf den hippen Tanzclub in einem angesagten Viertel der englischen Hauptstadt. Das passt dann wunderbar zusammen, so hat man sich vor gut fünfzig Jahren wohl die Zukunft vorgestellt. Dabei sind es mal wieder die omnipräsenten Orgeln, die das atmosphärische Geflecht besonders dicht weben und zwischen den kleinteiligen aber intuitiven Beats wird die haltlose Weite angestrebt. „Satellites In Sight“ wartet ausnahmsweise mal mit männlichem Gesang auf, das erinnert an die Weltraumepisoden der Soundtrack Of Our Lives, der Rhythmus begibt sich auf weitschweifige Reisen und schwurbelt und rotiert durchs All, dabei kommt es auch mal zu Ruhephasen, die jedoch in die allmähliche Fortbewegung des Songs eingewoben sind. Das alles klingt zumeist entspannt haltlos, diese Musik wabert mit poppigen Melodien auf einer kosmischen Wanderroute entlang, vorbei an den Gestirnen und interstellaren Nebeln. Das Schöne dabei ist der intuitive Fluss, der sich einstellt, TLFIS haben zwar merklich die Kanten geglättet und die Brüche in ihrer Musik gekittet, doch führt das zu einer betörenden Geschmeidigkeit. Um dies zu erreichen bedient sich der „Ionic Nerve Grip“ bei dubbigen Rhythmen und lässt sich haltlos in einem submarinen Setting treiben, wobei zwischendurch recht griffige Gitarren intervenieren und dem narkotischen Gemenge etwas mehr Kontur verleihen, der Sprechgesang sorgt dabei für anhaltendes Schmunzeln, „do I have a headshape like an amusing ice cube?“. „Pop Obskura“ ist ein wunderbar geschmeidiger Ausflug in die Weiten des Unfasslichen geworden, das Album hängt unsagbar leicht in einer artifiziellen Schwebe, holt so manche Popzauberei aus den Sechzigern ab und wirkt dabei ungemein geschlossen und elegant. Da kann man gut verkraften, dass den Songs von TLFIS das Spleenige immer mehr abgeht, diese Band ist wohlbehalten im Pop angekommen und hat dort wohl noch einiges vor.

Info: www.lowfrequencyinstereo.com

(Martin Makolies)