TRAAMS: Grin

TRAAMS
(Fat Cat Records/ Al!ve) Ihr findet auch, dass die Rockmusik in letzter Zeit nicht aufregend genug war, ihr vermisst den ursprünglichen Gestus der Gefahr im Rock And Roll? Dann probiert mal Traams aus dem englischen Kaff Chichester aus, die haben nämlich der kulturellen Verödung in ihrer Heimatprovinz ein Werk gegenübergestellt, das für einigen Kitzel sorgt. Es scheint fast so, als hätte die Band um Frontmann Stu Hopkins sich eine unvorhersehbare Schussfahrt durch die gefährliche, nächtliche Großstadt zusammen imaginiert, dabei herausgekommen ist ein Post-Punk Album, welches unmittelbar in die Glieder fährt und ohne doppelten Boden in die Gefahrenzone aus Schmutz und fragwürdigen Substanzen führt. Das geht schon beim Gesang los: Hopkins beginnt zwar in „Swimming Pool“ mit einem fröstelnden Lamento, welches man so bereits von Joy Division kennt, alsbald kippt dieses aber in einen Krankenwagensirenengesang über, der jegliche Distanz pulverisiert, willkommen im Nahkampfmodus. Und in diesem fabrizieren Traams memorable Hooks und Melodien, „Demons“ untermauert sein Killerhook mit den Worten „and it ain´t that funny/ when you´re out of money“, diese Band hat nicht nur die Attitüde, sie haben auch die schmutzigen Hits. Die Songs auf „Grin“ suhlen sich in Glassplittern, die Gitarren jaulen und ächzen und dennoch ist da dieser ungesunde Pop-Appeal, der die kleinen Gemeinheiten dieser Band erst so richtig ins Hirn einbrennt. Auch „Head Roll“ hat nichts gegen Eingängigkeit, dieser Song ist etwas luftiger konstruiert, rollt stoisch in einer festen Spur und hat einen unheimlich packenden Flow, nimmt sich dann aber auch sieben Minuten Zeit, seinen Streifzug durch fragwürdige Seitengassen zu vollenden. Wie vom Defibrilator angefixte The Cure hören sich Traams in „Fibbist“ an, es handelt sich um einen der wenigen Songs, die man sich auch bei Tageslicht vorstellen kann. Der bewusst zurückgenommene Refrain zeigt unterdessen, dass Traams auch die relativierenden Zwischentöne beherrschen, dies geht aber niemals zu Kosten einer ruppigen Dringlichkeit, die jederzeit gegeben ist. In „Sleep“ kommen die Gitarren direkt aus dem Altschrotthandel, dieser räudigen Nummer hängen noch unbezahlte Rechnungen aus der Stammkneipe an den Fersen, alles suhlt sich in einer Lache aus billigem Fusel und dutzendweise gerauchter Kippen, das kann nicht gesund sein, macht aber verbotenerweise ganz schön viel Spaß. Im Titelsong ersetzt Hopkins´Gesang kurzerhand die jaulende Leadgitarre und der dazugehörige Song taumelt an der imaginären, graden Linie der Polizeikontrolle entlang. Nachdem dass erledigt  ist, rocken sich Traams auch noch in eine fest zementierte Entrückung hinein. Dann versucht sich das Trio auch noch an Romantik, „hold my hand/ everything is gonna be alright“, glauben kann man das aber nicht so recht, das harmonische Bild in „Hands“ wirkt verwackelt und latent schief, so geht wohl Liebe auf dem Straßenstrich. „Loose“ dagegen ist wieder eines dieser Stücke, die dich am Kragen packen und mitschleifen, raus in die Nacht, rein ins Messer, es kann viel passieren, nur sollte man nachher nicht jammern, diese Songs sind bedrohlich und geben ihr ungesundes Potential auch unumwunden zu. Zum Abschluss setzt es dann den zweiten Siebenminüter dieser Platte, „Klaus“ hat einen endlosen, repetitiven Groove, eine Gitarre wird alleine aufs weite Feld geschickt und der Gesang verliert sich im Nebel. Mit „Grin“ ist Traams ein mitreißendes Debütalbum geglückt, welches wunderbar die unzufriedene Aufgekratzheit einer unterforderten jungen Generation wiedergibt, ein düsteres Nachtalbum, das die Freuden der unkonformen Lebensführung propagiert und bei dem man am liebsten mitmachen möchte. Aufgrund der Nähe zur eingängigen Melodie hätten Traams auch recht gut in die britische Class Of 2005 gepasst, dort jedoch als schwarzes Schaf der Familie.
(Martin Makolies)