WAXAHATCHEE: Cerulean Salt

WAXAHATCHEE

(Wichita/PIAS/Rough Trade) Einfachheit ist Trumpf bei Katie Crutchfield, die unter ihrem Künstlernamen Waxahatchee ihr zweites Album präsentiert. Das erste wurde binnen einer Woche zu Hause zusammen getackert und war ultrareduziert, viel üppiger ist auch „Cerulean Salt“ nicht ausgefallen. Crutchfield changiert zwischen runter gestrippten Indie Rock und folkigen Einsprengseln und da ist oftmals nicht viel mehr als eine Gitarre und der säuselnde, manchmal kickende Gesang, selten gesellt sich mal ein Bass dazu, ab und an darf das Schlagzeug den Takt vorgeben aber das ist auch schon alles. In „Brother Bryan“ stellt der Bass dann fast die einzige Instrumentierung dar, dieser ausgeleierte Klammerblues beschwört das Bild des einzig verbliebenen, desillusionierten Pärchens auf der leeren Tanzfläche herauf, welches sich müde aneinander festhält, während dem Türsteher der Morgen schon über die Schulter blickt. Crutchfield, die vorher mit ihrer Zwillingsschwester in einer Band gespielt hat, hält ihre Stücke wie  gesagt recht simpel, sie wirken skizzenhaft, manchmal wie Ausschnitte aus einem größeren Bild. Doch das Gefühl, dass etwas fehlen würde, hat man eigentlich nie, man kann von essentiellen Qualitäten bei dieser Musik sprechen. „Hollow Bedroom“ steht da unvermittelt in der Tür, die Gitarre richtet sich zu struppiger Schrammelschönheit auf, während Crutchfield am leeren Straßenrand säuselt. Stimmungsmäßig wirkt diese Platte leidenschaftlich unglücklich, die Liebe mal wieder. Oftmals adressiert Crutchfield ihre Songs an ein unzulängliches Gegenüber, doch hat man das Gefühl, sie betreibe einen introspektiven Kehraus der Seele, „and when I look into your olive colored eyes/ I feel a breach it makes me cry/ it makes me cry/ I wake up early every morning/ when you sleep for hours after me/ in our darkened bedroom/ I can´t breathe behind these curtains/that we keep”. Die Musik selber geht nicht immer diesen betrüblichen Weg, “Coast To Coast” ist frischer Indierock von der Rückbank eines Cabriolets, Wind und Sonne durchwühlen das flatternde Haar, freilich, auch hier findet man schattige Ränder der Verzweiflung, doch dominieren diese an dieser Stelle nicht. Von unterdrückter Wut ist Crutchfields Vortrag in „Dixie Cups And Jars“ geprägt, hier darf auch mal ein Schlagzeug mitmischen, doch dient dies einzig dazu, die wenigen Akkorde ein wenig zu akzentuieren. So richtig Dampf lässt „Misery Over Dispute“ ab, der Gesang ist wütend/furios und platzt gemeinsam mit der Schrammelgitarre überfallartig ins Geschehen hinein, ein schöner Arschtritt. „Lips And Limbs“ dagegen steht für die folkige Schluffigkeit, die auch eine Seite dieses Albums ist, die Gitarre darf ein wenig plingern, so dass auch ein wenig Country-Bequemlichkeit ihren Platz findet. Einer der schönsten Songs dieser Platte ist sicherlich „Peace And Quiet“, dessen Akkorde schön ausleiern und dessen Refrain rumpelnd die Treppe runter purzelt, wieder recht einfach, wieder ein großer Moment der wirkungsvollen Reduktion auf die Kernelemente der Rockmusik. Mit „You´re Damaged“ gönnt sich Crutchfield dann noch ein wenig akustische Beschaulichkeit und führt ein Album zu Ende, dass voller Leidenschaft steckt, diese jedoch auch oft genug als etwas Vergebliches präsentiert. Dabei entstehen Songs, die in ihrer ungeschminkten Direktheit schnurstracks den Weg ins Herz eines hoffentlich großen Publikums finden.

Info: www.facebook.com/waxahatchee

(Martin Makolies)