COSMONAUTS: Persona Non Grata

COSMONAUTS
(Burger Records/Red EYE) Es scheint, als hätten Alexander Ahmadi und Derek Cowart ein Motivationsproblem. Die Köpfe von Cosmonauts liefern mit „Persona Non Grata“ eine Version von Rockmusik ab, die sich stoisch entrollt und kurzschlüssige Aufregung vermeidet. Ihre Songs eiern und leiern, erzeugen so aber auch einen lazy hypnotischen Fluss. Manchmal hat man das Gefühl, hier handle es sich um Surf Pop, dessen Protagonisten ungesund bleich und unterernährt daherkommen. Die Sonne, die in diesen Stücken scheint, ist wiederum fahl und matt, gerne verkriechen sich die Songs in ein schattiges Kellerloch und insgesamt hat man ein ursprünglich lebhaftes Sommergemälde vor sich, dessen Farben jedoch völlig ausgeblichen sind. Da plingern die Gitarren in „Shaker“ eigentlich recht aufgeweckt, doch wird alles in einen sedativen Fluss gesetzt, das betört und bringt einen erst mal runter, Hysterie gibt es in Ansätzen auch, nur wird diese durch eine Milchglaswand gefiltert. „Sweet Talk“ zieht sich dann die Lederjacken an und cruist durch nächtliche Straßenszenarien und es entsteht der Eindruck, dass hier auch ein paar illegale Substanzen mit im Spiel sind, so unbesorgt und intuitiv, wie sich dieses Stück entblättert. Dabei brandet ein entferntes Echo von Gefahr und Schmutz an des Hörers Ohr, doch unmittelbar ist hier nur die gleichgültige Nonchalance, mit der die Stücke vorgetragen werden. In „Wear Your Hair Like A Weapon“ rostet erst mal eine Gitarre vor sich hin, bevor das Schlagzeug ein wenig Tempo und Dringlichkeit reinbringt, dieses Stück baut sich langsam auf und landet in einer vernebelten Nahostphantasie, die wirkt, als sei alles, was passiert, egal. So ein Song könnte eine mächtig rumpelnde Rocknummer sein, doch wurde dem Stück ein lähmendes Beruhigungsmittel gespritzt, welches die Kanten verwischt und alles gründlich auspolstert. „My Alba“ ist auch so ein Narkotikum, hippiesk und meditativ, wer aufregende Action sucht, macht besser einen Bogen um dieses Album, welches immer wieder das Gefühl von nihilistischer Gleichgültigkeit vermittelt, Lou Reed wäre stolz. Fast wirkt es so, als wollten Cosmonauts sich einen Scherz mit dem höhepunktfixierten Hörer machen, irgendwann muss es doch mal krachen aber nee, das wird immer wieder aufgeschoben und das Tempo zuverlässig verschleppt. Dazu passen ganz toll diese psychedelischen Leinwandprojektionen mit den bunten Flüssigkeiten, nur sollten diese hier eher monochrom sein, in Graustufen. Auf diesem Wege erreicht „What We Worry“ dann so etwas wie Poppigkeit, die Gesangsmelodien leiern eingängig die lange Straße herunter und die Gitarren liefern ein paar prägnante Tonfolgen, dennoch, auch dieser Song rollt stoisch und unbeeindruckt durchs Bild, ein wenig Feedback-Gedöns hallt demotiviert durch den Song und dennoch, das macht durchaus Spaß. Manchmal hat man das Gefühl, man habe es mit einer adrenalinreduzierten Variante des Black Rebel Motorcycle Clubs zu tun, Shoegaze und Drone in unaufgeregter Umarmung, da fällt auch ein Song wie „Cosmonauts Vanilla“ nicht aus der mit Morphium ausgekleideten Spur. „Persona Non Grata“ saugt der dringlichen Rockmusik das Blut aus den Adern, vermittelt den Eindruck, dass es nur mit halber Aufmerksamkeit erschaffen wurde. Diese Band propagiert eine unaufgeregte, runter gekochte Attitüde, nichts versetzt Cosmonauts so richtig in Aufregung, alles easy, nur kein Stress.
(Martin Makolies)