JAKE BELLOWS: New Ocean

JAKE BELLOWS

(Saddle Creek/ Cargo) Jake Bellows hatte eigentlich bereits mit der Musik abgeschlossen, der ehemalige Frontmann von Neva Dinova zog weg aus Omaha und legte die Gitarre aus der Hand. Statt Songs zu schreiben installierte er Glasschiebetüren. Ein trauriger Weg. Aber dann bekam Bellows das Angebot, in seiner Heimatstadt Omaha eine Original-Filmmusik aufzuführen. Sessions mit befreundeten Musikern folgten und dabei entstanden dann die Songs, die wir jetzt auf Bellows erstem Soloalbum finden. Und „New Ocean“ ist Saddle Creek pur, ein wenig Folk, unaufgeregter Americana und eine Prise Rock darf auch so manches Mal mit rein in die Rezeptur. Damit erschafft Bellows nichts weltbewegend Neues, dieses Album ist sehr klassisch, schöne Melodien und liebevolle Arrangements gibt es jedoch zu Hauf. Der Titeltrack ist zum Beispiel ein äußerst vornehmes Erweckungserlebnis, das einiges an unaufgeregter Spiritualität in sich trägt, eine zart aufspielende Gitarre dient als tragfähiges Gerüst dieses sanften Songs, der auch mal aufbrandet aber immer im Rahmen des guten Benehmens. „All Right Now“ ist dagegen gemäßigt vitale Rockmusik mit einem Refrain, der die Wolken beiseiteschiebt, hier wird auf unaufgeregte Weise die Unerschöpflichkeit neuer Möglichkeiten im Leben gefeiert. „You And Me“ wird von der einsamen Morgenröte umgarnt, ein Stück, das ganz bei sich bleibt. Bellows Gesang wirkt dabei wie das nochmalige Umdrehen im sonntäglichen Ruhebett, die Gitarren flirren ohne Hast durch dieses aufgeräumte Stück, keine Hektik, keine Dringlichkeit, nur wunschfreies Schwelgen, das aus einer Kernruhe entsteht. „I Know You“ zeigt dann, wie Bossa Nova made in Omaha funktioniert, zufrieden und zurückgelehnt, die Gliedmaßen der wärmenden Wintersonne zugewandt, mit einer freundschaftlichen Orgel, die sanftmütig durch die friedliche Szenerie wandelt. Überhaupt ist „New Ocean“ sehr nahbar und harmonisch, der Hörer wird eingeladen, umschmeichelt, kühle Härte bleibt da draußen, auch wenn ein Song wie „Two Weeks“ mal mit etwas dunkleren Farben ausgestattet ist. „I Can´t Wait“ ist dann aber bereits wieder so ein kuschelig liebliches Stück, eine folkige Meditation, die durch den weiblichen Backgroundgesang ein wenig bescheidene Strahlkraft erhält. Dieser ist auch ganz wunderbar in „Help“, dort wirkt er jedoch wie eine geisterhafte Scharade im Bildhintergrund, zu der der Song langsam über den knarzenden Dielenboden schleicht. „Running From Your Love“ und „Frequency“ decken dann den Rocksektor ab, in der Regel unaufgeregt und beschwingt, wobei letzterer Song dann doch schlussendlich in ein knarziges Donnergrollen einfährt, mithin der einzige Moment, wo sich diese Platte mal richtig entfesselt. Bellows hat für sein musikalisches Comeback einen relativ geraden Weg gewählt, die Songs sind einfach strukturiert und verbitten sich jede Extravaganz. Doch lebt „New Ocean“ von seinen abgerundeten, anschmiegsamen Melodien und der wärmenden Seele, die diesen Stücken innewohnt, ein Album, das man leicht versteht und bereitwillig in den Kanon des Herzens aufnimmt.

Info: www.jakebellows.com

(Martin Makolies)