THE DISMEMBERMENT PLAN: Uncanney Valley

THE DISMEMBERMENT PLAN

(Partisan/ Rough Trade) Ein unverhofftes Comeback stellt das neue Album von The Dismemberment Plan dar, herrschte doch gut und gerne 10 Jahre Funkstille bei der Band um Frontmann Travis Morrison, die in den ausgehenden Neunzigern so manches musikalische Schmuckstück fabriziert hat. Ein wenig gedrosselter kommt nun „Unncanney Valley“ daher, lebt aber zu weiten Teilen immer noch von einer nerdigen Aufgekratztheit, die, das muss man partiell attestieren, auch schon mal etwas aufgesetzt und anstrengend wirkt. Der Start mit „No One´s Saying Nothing“ und „Waiting“ ist dann auch nur teilweise gelungen. Ersteres nennt eine gut gelaunte Weihnachtsorgel sein eigen und zweit genannter Song arbeitet sich durch weißen Mittelstandsfunk, der in der sicheren Vorstadt zu Hause ist. Das ist melodisch zwar recht schön, wirkt aber ein wenig bemüht und angestrengt, wie die Weakerthans im Sheldon Cooper-Modus. Aber es gibt auf dieser Platte auch durch und durch vortreffliche Songs. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich zurücknehmen und recht einfach dahin fließen, ohne große Verrenkungen und Zaubertricks. Da genügt es dem wunderbar wolkigen „Invisible“,  sich an ein einfaches Streicher-Loop zu hängen und dann einfach mal mit zu wandern, dazu gibt es wunderbare Sentenzen, zum Beispiele diese hier: „and now I´m biting my nails/ and I´m calling it dinner“. Der eindringliche Refrain und das etwas verbindlichere Zwischenstück mit Tempoverschärfung runden diesen gelungenen Song dann endgültig ab. Das emotionale Highlight dieser Platte heißt „Lookin´“, der Song befindet sich in einer melancholischen Schwebe, zu tiefst romantisch und wunderbar abgerundet, ein klangliches Idyll von hoher Perfektion aber auch gekennzeichnet von einer tiefen Demut und Bescheidenheit. Dabei trumpfen wieder diese unkomplizierten Melodien auf, die sich im Gedächtnis des Hörers fest setzen und dort für Seligkeit sorgen. Wie gesagt, die besten Songs dieser Platte sind die einfachen, in denen die Musik sich entfalten kann ohne große Breaks und Spielereien, dazu gehört auch „Daddy Was A Real Good Dancer“, welches ebenfalls von einer bescheidenen musikalischen Zufriedenheit geprägt ist, einfach mal laufen lassen, die Melodien finden ihren Weg von alleine. Anrührend aber völlig kitschfrei ist auch der Text geraten, geht es doch um einen Mann, der für den eigenen Nachwuchs seine Ambitionen und Talente völlig  hinten anstellt. In solchen Momenten erstrahlt „Uncanney Valley“ in einer einfachen Makellosigkeit, leider lässt sich das nicht für die gesamte Albumdauer sagen. Nicht so gelungen ist zum Beispiel „White Collar White Trasch“, das in seine ausgeleierte Rockigkeit auch Industrial-Beats einfließen lässt und dadurch ein wenig unmotiviert zusammen geschustert wirkt. Generell kann man bei diesem Album feststellen, dass an den Stücken teilweise ein bisschen  zu viel rumgefrickelt wurde. Gerade was den Einsatz diverser Tasteninstrumente betrifft, muss man attestieren, dass hier weniger mehr gewesen wäre, es orgelt und tutet ein bisschen übertrieben aus diversen Stücken.  So ist „Uncanney Valley“ beileibe kein perfektes Album, gerade die rockigeren Songs wie „Mexico City Christmas“ und „Go And Get It“ wirken ein wenig bemüht und berufsjugendlich. Man findet aber dennoch so manchen Song, der in seiner Einfachheit tief berührt. In solchen Momenten merkt man, dass The Dismemberment Plan das große Spektakel gar nicht nötig hätten, sondern sich einfach auf das essentielle Songwriting konzentrieren müssten, dann wäre dieses Album auch ein ganzheitlicher, großer Wurf geworden.

Info: www.dismembermentplan.com

(Martin Makolies)