BEASTMILK: Climax

BEASTMILK-Climax

(Svart/ Cargo) „Climax“ von den Finnen Beastmilk ist vor allem eines: eine düstere, theatralisch opulent inszenierte, pathetische Show mit jeder Menge Krawall und Popappeal. Dabei greift die Band so ziemlich alles auf, was es so an dunkler Pophistorie gibt. Neben The Cure und The Cult haben auch Reminiszenzen an Joy Division Platz, ohne das jedoch das schneidend Existenzielle dieser Band erreicht oder, und das ist wichtig, überhaupt angestrebt wird. Denn „Climax“ macht in erster Linie jede Menge Spaß, als dunkle Revue mit ungemein eingängigen, starken Melodien, als schweißtreibende Gothmaschine, die jeden unvorsichtigen  Zeitgenossen auf die finstere Tanzfläche zerrt. Gewonnen hat das Album eigentlich schon mit den ersten vier Songs, die derart  unwiderstehliche Momente der Eingängigkeit kreieren, dass man fast das Gefühl hat zu sündigen, wenn man sich auf diesen Spaß einlässt, so unmittelbar, wie diese Stücke funktionieren. Da reicht schon das Punkriff von „Death Refelcts Us“ aus, um einen zu packen, dazu gesellt sich der latent unterkühlte Gesang von Mat Mc Nerney und der fabriziert einen Refrain, der direkt mal das ganze Setting auf Messers Schneide verfrachtet, mitternachtswindumwehtes Pathos, das völlig ungeniert und unbescheiden nicht weniger als die blinde Gefolgschaft des Hörers verlangt. „The Wind Blows Through Their Skulls“ agiert ebenfalls mit einem bestialischen Freiheitsdrang, do or die, hier wird der Moment eingefangen, wo das Schicksal unwiederbringlich kippt, in welche Richtung? Ist noch offen. Beastmilk entfesseln einen Sturm, eine Welle, ohne störenden intellektuellen Überbau, diese Dunkelheit ist instinktgetrieben, wer zögert, wird in ein schwarzes Loch gesogen und verschwindet endgültig von der Bildfläche. „Genocidal Crush“ ist dann der Höhepunkt der kohlrabenschwarzen Eingängigkeit, der ums offene Grab arrangierte Männerchor propagiert den „genocide of love“ und bevor man über die politische Correctness von solchen Aussagen nachdenken kann, haut einen „You Are Now Under Our Control“  aus den Schuhen, unversöhnlich sucht dieser Song jeden heim, der sich nicht rechtzeitig unter die schützende Bettdecke verkriechen konnte, doch keine Angst, im Endeffekt wollen Beastmilk nur spielen. Es geht zwar mitunter ruppig und betont  misanthropisch zur Sache aber was bitte will diese Band mit diesen Melodien anderes, als eine möglichst große Masse an Menschen unter dem fahlen Mond zu versammeln, damit diese eine schwarze Messe voller sündhafter Freuden feiern kann? Die Leidenspose, die in Songs wie „Ghosts Out Of Focus“ angedeutet wird, ist dabei nur ein willkommenes Lockmittel, wobei hier Beastmilk durchaus beweisen, dass sie auch ganz gut auf die zärtlich/romantische Tour können. Dies hat dann auch noch den dringend benötigten Nebeneffekt, dass zwischenzeitlich die Hatz nach der nächsten unschlagbaren Melodie unterbrochen wird und etwas mehr in die Atmosphäre investiert wird. Das führt zu mehr Tiefgang und Varianz, besagtes „Ghosts Out Of Focus“ wird so zu einem detailreichen Wandtableau, man kann sich das so vorstellen, dass der 80er Jahre Bowie am eigenen Grab genüsslich etwas trockenen Rotwein schlürft. „Nuclear Winter“ rumpelt dann wieder eindeutiger durch den Fall Out, wobei das  „No Future“ merklich ein wenig Staub angesetzt hat, einer der schwächeren Songs. „Fear Your Mind“ ist dann der Gipfel der psychotischen Selbstdarstellung, Mc Nerney positioniert sich mit ausladenden Gesten jenseits der Grenze der geistigen Gesundheit und das Schlimme ist, er zieht dich da mit rein, „I commit your murders/ let me be your mind fucker“, der Verführer wedelt lasziv mit dem Schwanz und wir feiern auf den Gräbern. Und dann packen Beastmilk noch einen Hit aus, betont wehleidig bewegt sich „Love In A Cold World“ durch die unterkühlte Welt, Robert Smith stand da sicherlich Pate, die Finnen entfalten mit zurückgenommenen Rockschmackes ein wahres Leidensballett. Eigentlich müsste man aus der Platte ein bluttriefendes Musical machen, mit Gastauftritten der Ramones, Ian Astbury, und den Sisters Of Mercy, die Plastikrasierklingen verteilt dann der Geist  von Ian Curtis am Ausgang. Wobei das Ganze den Vorteil der Inszenierung hat, alles ist nur Show, hier kommt jeder wieder lebend raus.

Info: www.facebook.com/Beastmilk