FUTURE OF THE LEFT: How To Stop Your Brain In An Accident

FUTURE OF THE LEFT: How To Stop Your Brain In An Accident

(Prescriptions/ Rough Trade) Andy Falkous ist ein irrwitziges Genie, das ist bereits seit den Tagen von McLusky Gewissheit. Und auch mit der Nachfolgeband Future Of The Left ist ihm schon so mancher bemerkenswerter Beitrag zur krachigen Musikwelt gelungen. „How To Stop…“ stellt aber dennoch einen Höhepunkt im Schaffen dieser Band dar, nirgends sind die wahnwitzigen Kompositionsideen so wunderbar vereinigt mit den textlichen Memorabilien von bestechender Qualität. Dieses Album holt zum Gesamtschlag aus gegen die zeitgenössische Alltagskultur. Musikindustrie, Reality Tv und der ganz normale Trott des Durschnittstypen werden messerscharf auf die Schippe genommen und man kommt nicht umhin, sich so manches Mal nachdenklich den Kopf zu kratzen, zwischen all den enigmatischen Textzeilen und zum Schmunzeln anregenden Gedankenspielen Falkous`. Wäre der gute Andy nun ein genügsamer, eher limitierter Songschreiber, das ganze Album würde in die Richtung solcher Songs wie „Bread, Cheese, Bow And Arrow“ oder „Future Child Embarrassment Matrix“ gehen, noisiges Schrottplatzgebolze, bei dem jedes Instrument den Job des Schlagzeugs übernehmen will, bang, bang und kawumm. Doch die Ansprüche des Walisers gehen weiter, dieses Album ist wahnsinnig vielfältig. Bereits „Johnny Borrell Afterlife“ ist eine derart bestechende Noise-Punknummer, die mit einem unwiderstehlichen Drive ins Glückszentrum des menschlichen Hirns wandert, dass man nur noch sabbernd in Jubelarien ausbrechen will. „Singing Of The Bonesaws“ veranstaltet einen betont gesitteten Kreuzzug durch die kontemporäre Medienlandschaft mit süffiger Blutspur, dabei weiß der Vortrag zwischen wohlsituiertem Märchenonkel und Marinegeneral besonders zu gefallen. Ein weiterer magischer Moment stellt sich ein, wenn in „I Don´t Know What You Ketamine“ eine wehmütige Pixies-Gitarre ins Schlachtengetümmel einfällt und für eine theatralische Grandezza sorgt. Doch noch nicht genug der Höhepunkte, das traumwandlerisch nachdenkliche „French Lessons“ berührt mit seinen ruhigen Überlegungen zu den Fallstricken der Liebe, beobachtet dabei genau und geistreich und verbreitet eine enthobene Wehmut, die jedoch auch ein wenig Zuversicht in sich trägt, dies ist dann derart wahrhaft und ernsthaft gewinnbringend, dass man einen solchen Song nicht mehr aus seinem Abspielgerät der Wahl entlassen mag. Das Gerüst dieser Platte sind aber zweifellos die krachigen Nummern mit Direktmandat, wie der adrenalingeschwängerte Merry Go Round „How To Spot A Record Compamany“ oder der Protopunk von „Donny Of The Decks“. Platz für Extravaganzen bleibt aber freilich genug, man höre nur diese Mischung aus Sensenmann und ländlichem Dandy in „Something Happened“, verstörend, außergewöhnlich und dennoch eingängig. Zum Schluss probieren sich Future Of The Left noch in bluesigem Country, auch „Why Aren´t I Going To Hell“ überzeugt dabei problemlos, dieses Album kennt keine schwachen Momente, ist vielmehr ein leicht chaotisch wirkendes Sammelsurium aus genialen Ideen und Momenten und weiß sowohl auf der Intelektuellen Ebene zu überzeugen, als auch im direkten Brachialmodus. „How To Stop…“ ist damit wohl die Krachrockplatte des Jahres 2013, so genialistisch lässt es sonst weit und breit keiner scheppern.

Info: www.futureoftheleft.net