WHITE DENIM: Corsicana Lemonade

Review Kritik WHITE DENIM Corsicana Lemonade

(Downtown/Rough Trade) Man hat das Gefühl, White Denim sind auf ihrem sechsten Album endlich angekommen, bei der eigenen Bestimmung, beim eigenen Sound. Weniger Experiment, mehr Song schien die Parole zu sein. Und dennoch hat man es mit komplexen Strukturen und einer wandelbaren Stilfreude zu tun. Southern Rock der 70er ist da höchstens eine lose Klammer, im Inneren befinden sich mindestens gleichrangig Soul, Funk, Blues und Jazz. Bei all der stilistischen Vielfalt ist es schon erstaunlich, dass White Denim trotzdem bei verbindlichen, kompakten Songs ankommen, deren Spielfreude sich eins zu eins auf den Hörer überträgt, man will mitrocken, mitswingen, mitgrooven. Das eröffnende „At Night In Dreams“ ist boogieinfizierter Bluesrock, der über eine Strophe, die unheimlich smooth erscheint, in einen hitzig intensiven Refrain einbiegt und das Haus schon mal ordentlich in Brand setzt. Bereits hier wird man von den altmodisch fitzeligen Gitarren infiziert, die ein Markenzeichen dieser Platte sind. Der Titelsong ist ein kühl fieberndes Stück Jazzrock, welches lässig in die Beine fährt, ohne dass man so recht weiß, wie einem geschieht, dabei entsteht ein hibbeliger Flow, der unheimlich intuitiv wirkt. „New Blue Feeling“ gibt sich dann als schwelgerische Beziehungsutopie, die seine Wurzeln in der Nostalgie hat, „no use in crying, dear/ save your tears/ let´s try to hide our fears/ until we go/ into a place we never know/ until we know it.“ Dabei wirkt das Ganze derart entspannt zutraulich, dass man sich auf einer watteweichen Wolke wähnt, befreit von jeder zudringlichen Sorge, Beatles anyone? Wenn einem danach der Sinn nach etwas Kernigem steht, wird man auch sogleich wunderbar von White Denim bedient, mit „Come Back“ liefern die Texaner einen hochengagierten Bluesfunk, der einem wie ein Blitz durch die Glieder fährt und wieder gibt es diese unglaublich beseelten  Gitarren, die immer wieder elegant hitzige Akzente setzen. Spätestens hier hat man auch gemerkt, dass James Patrelli ein unheimlich vielseitiger Sänger ist, sanftes Säuseln und hitziges Croonen sind da die Enden seiner gesanglichen Skala und immer wirkt es überzeugend. Die einzelnen Songs haben dabei durchaus wandelbare Aggregatszustände, „Distant Relative Salute“ startet als gemächlicher Verandaschunkler, packt dann aber einen triumphalen, breitbeinigen Rockrefrain aus, der unangestrengt mitreißt. Von der wundersamen Eigenschaft der Popmusik, seelische Wunden zu heilen, erzählt „Let It Feel Good( My Eagles)“. Der Hörer wird in seiner betrübten Melancholie abgeholt und förmlich aufgerichtet von einem höchst ansteckenden Refrain, der ganz einfache Ratschläge gibt: „If it  feels good, let it feel good to ya“. Dabei fällt besonders ins Auge, wie zutraulich und einladend dieser Song geraten ist, er reicht die Hand und dann geht’s los zu einer magischen Reise, die alle Qualen lindert. Noch so ein einfacher Tipp ist dieser hier: „put a dime in your pocket/ relax“. Bei White Denim erscheint die Welt halt einfach, zumindest hat man bei den Texanern das Gefühl, man bekomme alles schon irgendwie in den Griff. Das wunderbar rollende „Cheers Up/ Blues Ending“ ist auch so ein Song, der in betrüblichen Szenerien seinen Anfang nimmt und den Hörer dann ins Licht führt. Hört sich kitschig an? Mag manchmal schon stimmen, doch „Corsicana Lemonade“ verbreitet so viel unschuldige Lebensfreude, dass man Aspekte wie Coolness gerne auch mal hinten anstellt.

Info: www.whitedenimmusic.com