GAMBLES: Trust

Gambles: Trust

(GMBLS/Cargo) Folk minus romantische Verklärung gleich Gambles. Der New Yorker Matthew Daniel Siskin hat für sein Debüt in den dunklen Seiten des Lebens geblättert und liest nun daraus vor. Seine Musik ist trostlos, at the bottom und durchzogen von einer existentiellen Lakonie. Sein kratziger Gesang kennt dabei nur einen einzigen, treuen Begleiter: die spröde, metallisch ausfransende Akustikgitarre, die so manches Mal mit einem gewissen Ingrimm gespielt wird. Oft singt Siskin ein Gegenüber an, doch scheint jeder menschliche Kontakt durch ein verödetes Tal der Entfremdung gepflegt zu werden. Da wirkt es fast noch trauriger, dass dieses Album mit einer Ode an diejenige welche beginnt, „you are the waving candlelight/ you are the punch inside my gut/ I want you to step out tonight/ I wanna sing to you/ if that´s alright”. Denn irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass hier jemand vergeblich  ins Leere singt, am anderen Ende der Leitung regt sich nichts. Bei Gambles gibt es nicht den leisesten Hauch von Spektakel, die Songs spulen sich stoisch ab, keine theatralischen Inszenierungen, ja, es wird noch nicht mal besonders viel Wert auf eine schlüssige Dramaturgie gelegt. Die einzige Vorgabe scheint es zu sein, dass es immer noch ein Stückchen mehr bergab gehen kann. Siskin evoziert mit diesen aufs Skelett runter reduzierten Nummern das Bild eines Gebeutelten, der einsam in einem zugigen Zimmer sitzt und seine unspektakulären Moritaten der Dunkelheit  souffliert. Manchmal packt diese Nachtmusik auch eine diffuse Wut, so in „Safe Side“. Der Tod eines ungeborenen Kindes bringt die nicht mehr werdenden Eltern gleich mit um, „once the child/ and now twice the killer“. Man muss diesen dämonisch verzweifelten Gesang gehört haben,  um sich eine Vorstellung machen zu können, wie dunkel und abseitig Musik sein kann. Wie gesagt, man hört hier nur einen Mann und seine Gitarre, der Impact ist aber gewaltig. Im Titelsong wandert Siskin ebenso einsam und von der Welt vergessen durch den verkrüppelten Wald seines Seelenlebens, nirgendwo mal ein relativierendes Zeichen der Hoffnung, Liebe existiert nur in der Vergangenheit und das ist ja das Traurige: wenn man weiß, was man mal hatte, ist es umso trostloser, jetzt diese Leere zu spüren. Und das lähmt, das macht lethargisch, es regen sich nur noch reflexartig die Ausläufer von dem, was mal Aufbegehren und dagegen ankämpfen waren. Zu dieser Musik kann man wunderbar undramatisch aus dem Leben treten, im festen Glauben daran, dass es eh keiner mitbekommt, geschweige denn,  dass es jemanden nennenswert interessieren würde. Und dennoch steht am Ende dieser Platte so etwas wie ein Versprechen: „I´m an animal/but honey, I keep you safe with me“. Die Frage ist nur, ob es da noch jemanden gibt, dem dieses Versprechen etwas bedeutet. 

Info: www.facebook.com/iamgambles‎

(Martin Makolies)