JODYMOON: The Life We Never Planned On

(G-Records/Rough Trade) „The Life We Never Planned On“ vom holländischen Duo Jodymoon könnte eine durch und durch zauberhafte Angelegenheit sein, wenn sich nicht durch die ganze Platte ein schwerwiegendes Dilemma ziehen würde. Die instrumentalen Arrangements sind ohne Ausnahme exquisit, ob das nun ein perlendes Banjo, die (Slide) Gitarre oder ein beseeltes Klavier ist, alles ist wunderbar ausbalanciert und stimmig, lädt zum Träumen ein und vermittelt eine ungekünstelte Sehnsucht. Schade ist da nur, dass die Ausgestaltung der dazugehörigen Gesangspassagen nicht ebenso inspiriert und sorgfältig ausgearbeitet wurde. Die Gesangsmelodien wirken oftmals leider recht uninspiriert und auf Nummer sicher getrimmt, hier fehlt das künstlerische Glimmen und auch eine gewisse Gewandtheit im Umgang mit dem instrumentalen Material. Denn das Banjo in „Blue Sky Rainbow“ öffnet potentiell die Tür ganz weit zu einem großen Gefühlskino, indes, der Gesang tritt nicht hindurch, wirkt fast ein wenig wie dran gepappt und kann die musikalische Spannung beileibe nicht aufgreifen. Auch in „City Lights“ ist das instrumentale Setting brillant ausgestattet, die verhungernde Gitarre am Anfang prickelt förmlich unter der Haut, öffnet den Blick in ein weites, verödetes Szenario und baut mit versonnenen Streichern ein glühend rotes Himmelspanorama auf. Da ärgert man sich fast ein bisschen, wenn der Gesang einsetzt. Doch muss man auch sagen, dass dieser hier verhältnismäßig gut gelungen ist in seiner fast schamanischen Ausgestaltung, ein opulentes Wüstendrama mit Sand zwischen den Zähnen. Das reine Instrumental „After The Blue“ vermittelt dann in gerade mal einer Minute eine umfassende Trauer, die tief im Klavierflügel von Digna Janssen zu stecken scheint. Eines der absolut gelungenen Stücke ist sicherlich „Close Your Eyes“, welches eine süffige Slide Guitar und tränengetränkte Streicher aufweist. Der Gesang von Janssen dringt hier ausnahmsweise mal zu den ganz innen liegenden Seelenbereichen vor, das Stück ist erfreulich gut  durch komponiert und berührt nicht nur an der Oberfläche, Jodymoon geben hier eine wunderbare Kostprobe ihres Talents ab und auch das folgende Klavier- und Titelstück trägt noch sehr weit. Leider findet man wie gesagt den Gesang und die Instrumentierung nicht immer auf derselben Qualitätsstufe, was den Gesamteindruck dann doch etwas schmälert. Eine letztendlich gelungene Platte zwischen Folk und Americana ist dem Duo aber dennoch gelungen.

Info: www.jodymoon.com

(Martin Makolies)