WILLIAM FITZSIMMONS: Lions

(Grönland/ Rough Trade)  William Fitzsimmons war und ist der ganz Sanfte. Seine Folkkleinigkeiten berühren mit ganz leichtem Druck, wie wenn man von einem melancholischen Windhauch gestreift wird. Die großen Gesten und das Spektakel sind nicht das Ding dieses Mannes, der in seinen Stücken wenige Instrumente behutsam einsetzt. Auf „Lions“ findet sich sicherlich kein Panoptikum der zahlreichen Stimmungen, das ganze Album ist geprägt von einer wehmütigen Traurigkeit, die Songs suchen die sanfte Umarmung, lehnen sich leicht und vorsichtig an. Wegweiser ist dabei die zärtlich gespielte Akustikgitarre, selten gesellt sich mal ein Tasteninstrument oder eine E-Gitarre hinzu, für Aufruhr oder dramaturgische Zuspitzung sorgen aber auch diese nicht. Es ist für Fitzsimmons´ Verhältnisse schon ein Großereignis, wenn er das Schlagzeug für sich entdeckt. Dies geschieht zum Beispiel in „Took“, welches einen ganz minimalen Groove besitzt, der im Mondschein jedoch kaum auszumachen ist. Wenn man das Stück unters Mikroskop legen würde, man fände vielleicht sogar Spurenelemente vom Funk, doch dafür braucht man dann schon eine rege Phantasie. Doch halten wir fest: die perkussiven Elemente tun da, wo sie eingesetzt werden, den Songs merklich gut. Der lässige Drive von „Fortune“ bringt da durchaus ein willkommenes Maß an Bewegung in eine eher sanft dahingleitende, etwas statische Platte. „Lions“ ist halt definitiv nichts für highlightversessene Hipster, diese Platte begnügt sich mit sehr minimalen und bescheidenen Songs. Doch diese, und das ist die Hauptsache, berühren nachhaltig. In „Blood/Chest“ weiß zum Beispiel zu gefallen, wie der Song beim Refrain eine minimale Richtungsänderung hin zu weihevoller Lobpreisung vornimmt, dabei aber nicht seine unscheinbare Fragilität aufgibt. Es sind dann auch diese ganz kleinen, vorsichtigen Justierungen an der Songstruktur, die einem bei genauen Hinhören auffallen und die von einem durchaus vorhandenem Raffinement des Künstlers künden. Mit einem kleinen Augenzwinkern ist dann wahrscheinlich auch die schroffe Bratzgitarre zu verstehen, die „Centralia“ eröffnet, doch kehrt Fitzsimmons schnell wieder in die melancholische Spur zurück und schaut dem Sonnenaufgang verhalten ergriffen zu. Besonders schön ist hier, wie die Gitarre vom Klavier unterlegt wird. Einen kleinen Walzer durch jungfräuliche Morgenlandschaften gönnt sich Fitzsimmons dann mit „From You“, welches die E-Gitarre auch mal ein wenig prägnanter in den Vordergrund treten lässt. Doch an einem ändert sich nie etwas: Fitzsimmons´ Stimme streichelt, kuschelt und steht mit Hundeblick in der Tür. Und so entsteht erneut ein Album, welches der Wehmut ein weites Feld bereitet, auf dem die Songs scheinbar ohne allzu zwingende Intentionen herumschlendern und eine betäubte Traurigkeit vor sich her tragen, die jedoch ohne die quälenden Stiche des Seelenschmerzes auskommt.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

Martin Makolies

Info: www.williamfitzsimmons.com

Konzertbericht aus Düsseldorf – Februar 2014