ANGEL OLSEN: Burn Your Fire For No Witness

(Jagjaguwar/ Cargo)  Als Angel Olsen an ihr jetziges, zweites Album ging, wurde ihr klar, dass alleine Musik machen nur halb so viel Freude bringt, also schnappte sie sich nen Bassisten und einen Drummer, so dass „Burn Your Fire..“ durchaus als Bandleistung angesehen werden kann. Wobei Olsen klar federführend bleibt, die Songs sind durchtränkt von ihrer Sichtweise auf Einsamkeit, Missgunst und das große Scheitern von Beziehungen. Mit zwei dahin skizzierten Songminiaturen von gerade mal zwei Minuten Länge steckt Olsen dann gleich zu Beginn mal ihr Terrain ab. „Unfucktheworld“ ist ein engagierter Tränenzieher im Geiste von Loretta Lynn und „Forgiven/Forgotten“ rockt sich mit den Füßen tief im Grunge über den Dachboden. Ein bisschen rumpelig, ein wenig windschief, so geben sich die Kompositionen der Dame aus Missouri. Dabei kann sie Songs auch richtig ausformulieren, so dreht sie das selbstgefällige Rumgeheule über die eigene Einsamkeit kräftig auf links und sucht in „Hi-Five“ Leidensgenossen, mit denen es sich gut einen heben lässt, im Hintergrund der typische Country Twang, der hier jedoch regelrecht aufgekratzt wirkt. Voll aschgrauer Schwere ist dagegen das epische „White Fire“, in dem man Olsen als gebeugte Figur durch öde Landstriche bei Nacht wandern sieht, stoisch, leidgeprüft aber auch in würdevoller Schönheit. Dazu entrollen sich langsam gespielte Akkorde von der Gitarre, die unheilvoll im Hintergrund schwelen. Leider hat nicht jeder Song dieser Platte einen solch eindringlichen Effekt, manches ist nur mäandrierendes Geseusel ohne Langzeitwirkung oder runter gekühltes Geschrammel, das hat in seiner öden Anmutung zwar durchaus seinen Reiz, weiß aber nicht wirklich zu fesseln, so geschehen in „High & Wild“ oder auch in „Lights Out“.  Doch es gibt durchaus die Höhepunkte, die ein mehrmaliges Hören lohnenswert machen. In „Stars“ wird die simple Struktur zu einer Stärke, durch kleine Verschiebungen in den Gesangshöhen wirkt Olsen wie ein dürrer Geist, der sich mühsam zu einer verletzlichen Hymnik aufschwingt, durch deren löchrige Bekleidung der Wind pfeift. Das narkotisierte „Dance Slow Decades“ besticht dann eher durch seine ausgelaugte Atmosphäre, so muss sich emotionale Erschöpfung im Endstadium anfühlen, doch dann schwingt sich der Song zu einer gewissen Country-Grandezza auf, wobei hier ruhig die Tränen auf den staubigen Boden fallen dürfen. Klar, diese Platte ist manchmal wehleidig, und Olsen weiß dem Typus der gramgebeugten aber würdevollen Frauenfigur, die ihren Kerl locker an Kraft übertrifft, nicht wirklich etwas Neues hinzuzufügen, doch lässt es sich in der Tradition dieser großartigen Frauen wunderbar musizieren. „Burn Your Fire..“ ist somit eine durchaus wahrhaftige Platte, die sich nach Arbeit und Schmerzen anhört, daraus erwächst jedoch melodische Schönheit und eine dramaturgisch überzeugende Charakterstudie, die nur manchmal ein wenig beliebig erscheint.

7 out of 10 stars (7 / 10)

(Martin Makolies)

www.angelolsen.com