DAMIEN JURADO: Brothers And Sisters Of The Eternal Son

(Secretly Canadian/ Cargo)  Ach, ist das wirklich schon 17 Jahre her, dass Damien Jurado mit seinem Debütalbum auftauchte? Na ja, jedenfalls hat sich der Mann aus Seattle durchaus etabliert, jedoch ohne die richtig große Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein Album wie „Brothers And Sisters…“ zeigt mal wieder, wie ungerecht das ist. Jurado zählt ohne Übertreibung zu den besten Songwritern seines Landes, dieser Mann erzeugt Welten mit seinen Songs, das sind Naturereignisse, keine Lieder. Dieses Mal schmeckt man vor allem die Freiheit der Wüsten und der Prärie. Der Himmel ist weit, der Blick unendlich. Dabei ist ein Merkmal bei Jurado besonders hervorzuheben: Seine Stücke sind zwar durchaus homogen, die einzelnen Bestandteile bleiben aber zu jeder Zeit ablesbar und behalten ihr Eigenleben. So drängen sich die Streicher in „Magic Number“ zwar nicht in den Vordergrund, sie halten aber durchaus einen Anspruch auf Beachtung aufrecht. Durch die gleichzeitige Harmonie, aber auch der Einzelteiligkeit  der Komponenten entsteht der Eindruck, dass man die Konzeption und den Aufbau der Songs bis zum Anfang zurückverfolgen kann. Da beruht „Silver Timothy“ auf einem gewissen Bossa-Groove, hebt aber dann psychedelisch ins Weltall ab, ohne daraus ein Spektakel zu machen, alles bleibt in einem natürlichen, fast demütigen Rahmen. Dass aber auch das Majestätische im Bescheidenen seinen Platz hat, zeigt das urgewaltige „Jericho Road“, welches mit großer Geste dem Sonnenuntergang entgegen schreitet. Am Ende dieses Weges taucht dann der Geistergesang auf, den man von Deep Purples „Child In Time“ kennt, hier  jedoch in staubigen Kleidern und brüchigem Glanz. Das Meisterstück von „Brothers And Sisters…“ folgt dann mit „Silver Donna“, welches derart gekonnt mit Rhythmus und Groove spielt, dass einem die sechs Minuten wie ein kurzer Tagtraum unter vorbei ziehenden Wolken vorkommen, es raschelt, es klöppelt, kurz, es lebt durch und durch. Jurado lässt in seinen Songs immer wieder Lücken und Zwischenräume, so dass man das Gefühl hat, man wohnt den natürlichsten Vorgängen bei, die sich vielseitig entfalten, eine durchlässige, kleine Wall Of Sound. Am Ende des Albums zeigt Jurado dann die beiden Enden seines musikalischen Spektrums auf, mit „Silver Joy“ erschafft er ein Stück, das quasi mit nur einem Akkord ganze Welten voll Melancholie aufzeichnet, reduziert auf ein Minimum an Ausdruck, doch voll von Gefühl. Geradezu üppig ist dagegen „Suns In Our Mind“, welches die fröhlichen Momente der späten Beatles heraufbeschwört, ohne dabei zu übertreiben. Es ist also ein vorsichtiges, freundliches Lächeln, welches „Brothers And Sisters…“ beschließt, dieses große amerikanische Album unter freiem Himmel mit Wind im Haar.

8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

Info: www.damienjurado.com

Martin Makolies