MUTUAL BENEFIT: Love´s Crushing Diamond

(Fat Possum/ (PIAS) Cooperative/ Rough Trade)  Beim Wohnort von Mutual Benefits Jordan Lee würde man nicht unbedingt auf Brooklyn tippen, denn seine Musik ist gänzlich unurban. Man sieht eher weite Landschaften an sich vorbeiziehen, wenn man das Debütalbum dieser Ein-Mann-Band hört. Dabei ist es nicht nur unbedingt die amerikanische Weite, die hier eingefangen worden ist, denn in Rhythmik und Melodieführung scheint gerne auch mal ein wenig ostasiatische Folklore durch. Daraus entstehen dann spirituelle, jedoch ganz gemächliche Schlenderfahrten durch die weite Welt. Man fährt vorbei an goldig schimmernden Kornfeldern aber auch an dörflichen Szenarien mit Pagodendächern und Reisplantagen. Dabei ist die innere Ruhe das maßgebliche Element, nicht umsonst besingt Lee zu Beginn und am Ende von „Love´s Crushing Diamond“ den immerwährenden Fluss, der keine Emotionen kennt und einfach immer weiter fließt, stets im natürlichen Gleichgewicht der beiläufigen Gesetzmäßigkeiten. Dabei verkommt diese innere Reise niemals zum exotischen Kitsch, die Glöckchen klingeln zwar und die Geigen jauchzen melodramatisch auf, doch im Kern dieser Stücke steckt eine beflissene Unaufgeregtheit, die sich in tendenziell zurückgenommenen Arrangements ausdrückt, hier lässt der Komponist Atemraum für den Hörer. Das ganze Tuten und Föten, Glitzern und Flimmern der Instrumente verbreitet eine unaufgeregte Lebendigkeit, die oftmals in durchaus zielgerichteten Melodiemotiven mündet, gut zu beobachten bei der beschaulichen Wandertour „Golden Wake“, die mit großen Augen der umgebenden Landschaft begegnet. Doch herrscht hier nicht nur ungetrübte Lebenslust, auf den Stücken liegt eine reelle Melancholie, „and in this holy empty hours/ when my quiet thoughts get louder“. Aber irgendwie entsteht im Laufe dieser halben Stunde das Gefühl, das Gutes und Schlechtes einfach dazugehören und jeweils ihre Berechtigung haben. Das Klimpern der Banjosaiten, das Mäandrieren der Streicherspuren, alles fügt sich zu einem reichhaltigen Bild der menschlichen Existenz zusammen, der Schlüssel dazu liegt in der konzentrierten, dennoch fast beiläufigen Bewegung. Die tiefenentspannte Akustikgitarre in „That Light That´s Blinding“ schaut den Sonnenstrahlen hinterher, ein liebliches Geigenmotiv bezuckert die pastellfarbenen Wolken und irgendwie hat man das Gefühl, man ist in einer entschleunigten Utopie der Wiederbesiedlung der Landschaft gelandet. Man steht in diesen Stücken mit der Sonne auf und lässt sich vom Mond den Weg ins Bett leuchten. Vielleicht liegt die Stärke dieses Albums darin, dass es zwar reichhaltige Panoramen aufzieht, dabei jedoch auch viel Unnötiges weglässt, jeder Ton trägt explizit  zur klanglichen Ausgestaltung bei. Eine essentielle Bereicherung des Geschehens wird durch den oftmals umarmenden, weich abgefederten weiblichen Gesang beigesteuert, der Lees Stimme an so mancher Stelle golden umrahmt. Es herrscht eine ungezwungene Harmonie durch die erzeugten Töne und die melodische Zusammensetzung selbiger, „Let´s Play/Statue Of A Man“ ist dabei wundervoll auf das Wesentliche reduziert, der Rhythmus gibt sich unaufgeregt aber unverwüstlich, es entsteht die musikalische Widergabe einer nicht enden wollenden Reise, die auch ohne das Zutun des oftmals eitlen Menschen fortwährt. Und so erscheint der Mensch klein im Angesicht dieser wie selbstverständlich wirkenden Musikexkursionen, die niemals einen Anspruch auf Dominanz oder Alleingültigkeit erheben aber in ihrer essentiellen Bescheidenheit ihre Wichtigkeit nachhaltig untermauern, ein federleichtes Statement in Sachen Prioritäten setzen, das aber gleichzeitig schlicht und ergreifend bezaubernd ist.

8 out of 10 stars (8 / 10)

(Martin Makolies)

Info: www.facebook.com/mutualbenefit