BLOOD RED SHOES: BLOOD RED SHOES

( Jazz Life/ (PIAS) Cooperative/ Rough Trade)  Laura-Mary Carter und Steven Ansell brauchten einen Tapetenwechsel.  Klar, die Karriere von Blood Red Shoes gedieh prächtig, gute Albumverkäufe und ausverkaufte Konzerte, das passte schon irgendwie. Doch die letzte Platte „In Time To Voices“ hat schon ein wenig die Befürchtung aufkommen lassen, dass die Luft ein bisschen raus gewesen ist, zu beschaulich kam das Ganze rüber. Eine Neuorientierung, eine künstlerische Wiedergeburt gar, sollte es nun sein. Das haben Blood Red Shoes mit einem Umzug in die Bundeshauptstadt zu bewerkstelligen versucht.  Und das Berliner Pflaster scheint ein hartes zu sein, denn „Blood Red Shoes“ ist durch und durch eine schmutzige Angelegenheit geworden, ein räudiges Rockalbum mit Schürfwunden und Sodbrennen. Bereits das instrumentale „Welcome Home“ lässt als Höllenhunde verkleidete Gitarren von der Leine und diese jagen dann den Hörer durch einen finsteren Wald aus quer liegenden Drums. „Everything All At Once“ hat auch jede Menge Dreck unter den Fingernägeln und reitet hedonistisch auf einer Welle aus Großstadtschrott und ausgebrannten Verstärkerüberresten. Aus einer vermüllten Garage wird „An Animal“ ans Tageslicht gezerrt und schwingt sich im Refrain zu einer verschreibungspflichtigen Hymnik auf, die dennoch zwischen der grimmigen Körperhaltung eine gewisse Lässigkeit durchscheinen lässt. Diese Platte lebt in erster Linie vom unzweideutigen Druck, der hinter den Songs steckt. Blood Red Shoes geht es auf dieser Platte um einfache Aussagen, um eine eindeutige Positionierung im Schlachtgraben der Rockmusik, wobei den beiden und auch dem Hörer Feedbackgejaule und Verzerrerorgien  um die Ohren fliegen. Es gibt zwar auch Momente, die sich ein wenig zurücknehmen, vornehmlich in den Songs „Far Away“ und „Stranger“, doch sind diese nicht wirklich prägend für dieses Album. Man wird eher den eingängigen Kracher „Behind A Wall“ in sehr guter Erinnerung behalten, dessen Refrain zwar fast schon unverschämt einfach gestrickt ist, der jedoch selbst die Sekretärin von der Stadtbücherei schnell zu wildem Rumgehopse animieren würde. Und auch bei „Speechcoma“ würde die Gute nicht zur Ruhe kommen, hier stellt sich der brachiale Groove breitbeinig in den Fahrtwind und die Gitarren werden ausgewrungen und stranguliert. „Blood Red Shoes“ ist vielleicht nicht das subtilste Album, doch es hat eine unzähmbare Kraft, einen Vorwärtsdrang, der jeden mitreißen wird, der sich seinen Rock And Roll rau und schmutzig wünscht, eine Platte, bei der es aus allen Ritzen qualmt und zündelt, eine wunderbar schwungvolle Kraftleistung, die jedoch so wirkt, als hätten Blood Red Shoes sie sich aus dem zerfetzten Ärmel geschüttelt.

7 out of 10 stars (7 / 10)

www.bloodredshoes.co.uk

(Martin Makolies)