FANFARLO: Let´s Go Extinct

(New World/ Rough Trade)  Fanfarlo aus London sind endlich angekommen, im Popolymp, in der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen und Women. Die Band um Simon Balthazar hat ja auch lange genug am perfekten Popmoment geschraubt und gedreht und jetzt, auf „Let´s Go Extinct, sind sie nahe an der Vollkommenheit. Aber zuerst mal eine Tatsache: keine Band setzt Bläser so wunderbar ein, so quicklebendig, so narrativ, Trompete, Sax und Posaune finden hier ihre wahre Bestimmung. Jetzt also das dritte Album und man kann es nur unterstreichen und ohne zu ermüden von sich geben, diese Balance aus Lebensfreude, gemäßigter Verzweiflung und Emphase macht das Quartett zur echten Alternative zu Arcade Fire, wenn die für euren Geschmack zum Beispiel ein wenig fade geworden sind. Und wenn man sich beim Blick aufs Albumcover noch so denkt, „oho, das Weltall, ganz schön unbescheiden“, merkt man bei den ersten Klängen von „Life In The Sky“, dass diese Band mit ihrem facettenreichen Indiepop nirgendwo anders hin gehört, das ist außerirdisch und ja, auch die Bläser strahlen in kosmischem Glanz, wie sie da auf Sternschnuppen übers Firmament ziehen. Zu diesem Zeitpunkt hat man aber noch gar nicht den Refrain gehört, der aus der ganzen Sache eine schwer leidenschaftliche Spaceopera macht oder anders, dieses Stück ist eine kunterbunte Nummernrevue zwischen den Gestirnen. Und wenn andere Bands mit den Ideen dieses ersten Songs ganze Alben füllen, fangen Fanfarlo erst mal so richtig an. „Cell Song“ legt eine Kuscheldecke in den noch verschlafenen Zauberwald, die Gitarren stromern verhuscht durchs Unterholz,  bis Balthazar einen Refrain spendiert, der mit wohl dosierter Leidenschaft an jedes Hörerherz anklopft. Später gibt es noch kleine Schaustellertricks vom Schlagzeug, auch hier hat man das Gefühl, man blicke in ein Kaleidoskop der Vielseitigkeit. Das wirkt alles locker und exakt so, als müsse das alles sich genau so anhören. Das folgende „Myth Of Myself( A Ruse To Exploit Our Weaknesses)“ zeugt dann ebenfalls von einer edlen Grandezza, schwankt zwischen märchenhafter Beschaulichkeit( diese Flöten!) und epochaler Hymnenhaftigkeit, ohne dabei abgeschmackt  zu wirken. „A Distance“ kommt dann zur Abwechslung mal ohne Überrefrain aus, hier reicht schon die bestechende Sangesleistung von Balthazar, die irgendwie angeschickert durch die Nummer führt und so eine unverstellte Lockerheit vermittelt. Auch groß: die Single „Landlocked“, die erst mal ein wenig karibisches Flair mit der Einsamkeit verlassener Bushaltestellen kreuzt, gleichzeitig freudig und melancholisch, das soll man Fanfarlo erst mal nachmachen. Die weitern Songs von „Let´s Go Extinct“ sind dann nicht mehr ganz so wandelbar und unberechenbar, sie folgen etwas konservativeren Grundstrukturen, wirken dabei aber wunderbar ausformuliert, Albumhälfte Nummer zwei zeigt sich die Band in eher schwelgerischer Grundstimmung. Die Melancholie scheint hier doch recht deutlich durch, was im Umkehrschluss aber letztendlich nur bedeutet, dass Fanfarlo ihre schönen Melodien mit großem Genuss und in Seelenruhe auskosten. So weist „Let´s Go Extinct“ eine interessante Fieberkurve auf, das große Spektakel findet zu Beginn statt, die zweite Hälfte gefällt sich dann eher im konzentrierten Ausgestalten einiger weniger Zutaten, die dann aber in ebenso großer Perfektion erstrahlen, wie die Zaubertricks der ersten Songs.

8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

Info: www.fanfarlo.com

(Martin Makolies)